umblättern                                 Miracula in Kubbelingk

Handschrift der herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel, zitiert bei Dr. W. J. L. Bode “Der Elm mit seiner Umgebung und seinen Denkmälern der Vorzeit”, Friedrich Vieweg und Sohn, Braunschweig 1846

Bild
Eines Tages im Jahre 1291 ruhete Albert Riseberg im Schatten einer Linde zu Küblingen. Ihm erschien die heilige Jungfrau und verkündigte, daß Kaufleute sich anfinden und der Jungfrau erhabenes Bild über den Rhein an diesen Ort bringen würden, damit es hier verehret werde. Die Offenbarung wurde dann - ganz in der Ordnung - dem Pleban in Scheppenstedt mitgetheilt, der auch allen Beistand zur weiteren Verfolgung der so wichtigen Angelegenheit versprach. Riseberg reiste einige Tage darauf mit seinem Freunde (Albertus ultra aquam) nach Königslutter, wo die Feier der Schutzheiligen ders Klosters Petri und Pauli begangen wurde. Hier gewahrte er in der Menge Kaufleute, die ein Marienbild mit sich führten, und er erkannte nun sogleich, daß die ihm gemachte Offenbarung in Erfüllung gehen sollte. Die Kaufleute waren, in Gemäßheit der ihm gemachten Mittheilung, bereit, das Bild nach Küblingen an den Ort zu bringen, wo dem Riseberg die heilige Jungfrau erschienen war. Der Pleban aus Scheppenstedt empfing sie hier mit seiner Gemeinde, und der Platz wurde nun dem Volke als eine auf immer der Jungfrau geweihte Stätte bezeichnet.
          Es war erforderlich, daß das Bild Wunder verrichte, und zwar zunächst an einem Mächtigen; auch ist ferner bemerkt, daß Herzog Albrecht von Braunschweig, der damals wahrscheinlich auf der Asseburg wohnte, erkrankt sei. Er genas, nachdem ihm die heilige Jungfrau erschienen war und, auf den Fall seiner Herstellung, für ihr Bild Verheißungen erwirkt hatte. Der Fürst ließ demselben eine Kapelle bauen und begnadigte den Ort mit den erbetenen Freiheiten und Vorrechten.
          Dann ließ man auch sogleich noch andere Wunder geschehen. Zu Scheppenstedt, heißt es,  lebte ein redlicher Mann, Namens Johann von Schwanevelde. Ihn und seinen einzigen Sohn überfielen Neider in seiner eigenen Wohnung. Sie fesselten beide unter groben Mißhandlungen , schleppten sie in ein Dickicht zwischen Langeleben und Eitzum und warfen sie daselbst in eine tiefe Grube. Hier lagen sie verlassen und dem Hungertode nahe, da erschien ihnen die Mutter Gottes im weißen Priestergewande und einem großen Sonnenhute, wie ihn - so heißt es in der Erzählung, - die Bauern zu tragen pflegten. Sie hob die Unglücklichen aus der Grube hervor, die nun zu dem Marienbilde in Küblingen krochen, hier aber ihrer Ketten und Banden entledigt wurden, die wie es in dem Manuscripte ferner heißt - zum ewigen Andenken an dies Wunder sorgfältig aufbewahrt werden.
         So brachte man nach und nach das Bild zu großem Ansehen. Dasselbe ist eben so wie die schweren Ketten noch in neuerer Zeit vorhanden gewesen.

Wer die Materie mag, sei auf die Marienlegende zu Marienborn hingewiesen

BildTetzel, der bekannte zum Bettelorden der Dominikaner gehörende Mönch, wurde um 1500 zum Ablassprediger gewählt; er war ein beredter Schwätzer. Königslutter und Küblingen waren zur Zeit der Sünderversammlungen und der gleichzeitigen Märkte seine Lieblingsplätze. Seine Geldkiste stand bei der Marienkapelle, wo er in marktschreierischem Vortrag dem dafür empfänglichen Volk, seine Ware anpries: “So wie das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegfeuer springt”.

Neuauflage 2003

http://www.luther-in-bs.de/tetzel.htm

Neue Legendenbildung um Johann Tetzel

"Den Ablass haben die Braunschweiger bekämpft, indem sie kurzerhand Tetzel, den berühmten Ablasshändler, umbrachten (1518). Ein Edelmann aus Küblingen war das, der zuvor - so clever sind wir eben! - bei Herrn Tetzel noch einen Ablass auf eine erst geplante Mordtat erworben hatte. Der Ort ist bekannt und mit einem wuchtigen Gedenkstein ausgestattet: der Tetzelstein bei Königslutter. Heute eine beliebte Ausflugsstätte und gerne für evangelische Gottesdienste im Grünen aufgesucht....... ”.

Oberlandeskirchenrat Peter Kollmar (Wolfenbüttel) in seinem  Beitrag beim Begegnungsabend der EKD-Synode in Braunschweig ("Aufgespießt" in idea 45/2000)
 

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