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L-S

LANGELEBEN ein historischer Ort im Elm, dessen Gemeindewesen 1936 aufgelöst wurde, hatte und hat viele Gesichter. Über die alte Burg, das herzogliche Jagdschloss, und das, was davon übrigblieb, wird an anderer Stelle berichtet.
Britischer Horchposten. Die für Norddeutschland zuständige britische Besatzungsmacht sah sich 1951 zur Einrichtung grenznaher Abhörposten veranlasst; bereits 1948 hatte man auf dem Elm bei Königslutter eine Kuppe für Zwecke der Luftbrücke verwendet: Nach dem Zeltlager von zunächst neun Soldaten der 101st Wireless Troop in Langeleben entschloss man sich, eine ortsfeste Station an gleicher Stelle einzurichten. Um 1953 wurden die ersten festen Gebäude errichtet und in den sechziger Jahren wurden die bis dahin semi-mobil genutzten Technikfahrzeuge ebenfalls durch feste Gebäude ersetzt. Das Camp selbst trug nun den Namen "Anderson Barracks". Neben einem Kino, einer Bar und einem Shop gab es eine offene Zisterne, die sich natürlich prächtig als Pool eignete.
       Mit der Wende kam das Aus für die "Anderson Barracks". Nachdem die Anlage zuletzt fast nur noch zu Trainingszwecken genutzt wurde, schloss sie die britische Armee zum 30. November 1992. Danach stand das Gelände lange Zeit leer und wurde von Vandalen verwüstet.  Zwei Masten wurden zwischenzeitlich abgebrochen. Die Wiese, auf der sie standen, dient nun einem benachbarten Jugendheim als Campingplatz.
Direkt auf der anderen Straßenseite gibt es eine wirkliche Sehenswürdigkeit, den FEMO “Elfenpfad”.

LANGENSTEIN

LAUINGEN , heute ein Ortsteil von Königslutter, wurde urkundlich zum ersten Mal 888 als ´Lauhingi´ erwähnt. Um 1226 hieß es ´Loiwinke´ und um 1274 ´Lowinghe´. Ein Frithericus schenkte damals dem Kloster Corvey einige Güter hier im Ort. Diese Güter kamen später an Otto den Erlauchten aus dem Geschlecht der Brunonen.
         Lauingen liegt an der "Zipperie", einem vom Volksmund so genannten kleinen Bach. Nordwestlich des Ortes, am Fuß des Rieseberges, liegt ein alter Urnenfriedhof . Bei den Grabungen 1868/1869 fand man eine Reihe von Gegenständen aus der La-Tene-Zeit.

 

LELM im Kreis Helmstedt gehört seit 1974 zu Königslutter. Es handelt sich um einen über 1000 Jahre alter Ort mit ansehnlichen Fachwerkhäusern und einem auffallend schlanke Kirchturm, im Volksmund „Zeigefinger Gottes“ genannt. Im Wappen erinnert der Regenbogen an die Waffen der Ritter von Lelm, die im damaligen “Lellenem”  vom 12. bis zum 15. Jahrhundert umfangreiche Besitztümer innehatten. Die grünen Bergspitzen darunter symbolidsieren den Elm.
         Von 1907 bis 1976 existierte ein "Haltepunkt": Die Eisenbahnstrecke von Braunschweig nach Helmstedt ging am 01.06.1872 in Betrieb. Die Abfertigungsbefugnisse wurden am 01.01.1960 für Stückgut, am 28. 09 1975 für Gepäck und Expressgut, und am 26. 09. 1976 für den Personenverkehr wieder aufgehoben. Im Volksmund sprach man immer vom “Bahnhof”, obgleich keine Weichen vorhanden waren und sich die Anlage auf Blockstelle und Schrankenposten beschränkte. Das Stationsgebäude war ein eingeschossiger Fachwerkbau mit Flachdach, die Beleuchtung übernahmen Gaslaternen. Daneben in Richtung Schranke stand bis ca. 1955 ein kleiner Schuppen für Stückgut, am Bahnsteig nach Helmstedt ein kleines Sperrenhäuschen.
         Sehenswert ist das Archiv in der Kirchstr. 1 (Tel.: 05353/2954) mit einer Sammlung historischer und zeitgenössischer Fotografien, Postkarten (Öffnungszeiten und Eintritt nach Absprache).

LIEBENBURG 1292-1302 erbaute Bischof Siegfried II. von Hildesheim die "Levenborch" auf dem Ausläufer des Salzgitterschen Höhenzuges. Diese sollte die Ostgrenze seines Bistums gegen die Herzöge von Braunschweig und Wolfenbüttel absichern. Mit ihren sieben Türmen war sie die stärkste Burg im Harzvorland, sie wurde bis zur Hildesheimer Stiftsfehde verschiedenen Rittergeschlechtern, 1366 auch dem Rat der Stadt Braunschweig zur Nutzung überlassen.
Liebenburg: Bergfried         1523 fiel die Liebenburg an Herzog Heinrich den Jüngeren von Braunschweig-Wolfenbüttel, an den sie nach einer kurzen Besetzung durch den Schmalkaldischen Bund 1547 zurückgegeben wurde. Während des Dreißigjährigen Krieges (1625) war sie Hauptquartier des Feldherren Wallenstein und wurde 1633 durch ein schwedisches Dragoner-Regiment ruiniert. 1643 gelangten Reste wieder in den Besitz der Bischöfe von Hildesheim, die sich aufgrund der kriegerischen Ereignisse jedoch im "Amtshof", der sich noch heute in der Domäne befindet, ansiedelten. 1754-1760 wurde durch Bischof Clemens-August (zugleich Kurfürst von Köln) an gleicher Stelle ein Barockschloss mit Kapelle als Sommerresidenz errichtet.
         Von der alten Burg sind nur noch Teile des Bergfrieds erhalten, die durch den Liebenburger "Verein zur Rettung von Burgdenkmälern" und den Ortsrat 2003 saniert werden konnten.

 

Kommende Lucklum

 

Alte Allee LucklumLUCKLUM wurde 1051 erstmalig erwähnt; die erste Nennung der Lucklumer Kirche geht sogar auf das Jahr 827 zurück. Doch haben hier schon viel früher Siedlungen bestanden. Selbst Spuren der Römer (ein Kamm, der als Grabbeigabe in eine Urne gelegt wurde) hat man hier gefunden. Bedeutung erlangte das Bauemdorf, das an einer strategisch günstigen Stelle lag, nach 1260 als der Deutsche Ritterorden den ersten Hof erwarb und seinen Sitz aus dem reitlingstal hier verlegte. . Nach und nach gehörte dem Orden ganz Lucklum, die ansässigen Bauern wurden in Nachbarorte umgesetzt.
          Der Deutschritterorden wurde im 3. Kreuzzug (Akkon, 1190) als eine Spitalstiftung gegründet, 1198 jedoch zur Krankenpflege und zum Kampf gegen Ungläubige bestimmt. Er bestand aus Rittern, Priestern und dienenden Brüdern, äußerlich durch einen weißen Mantel mit schwarzem

Kommende

Lucklum: Hospiz

Lucklum

Kreuz erkennbar. Seine größte Leistung ist die Missionierung Preußens. In der Zeit von 1198 bis 1806 waren Akkon, Venedig, Marienburg, Königsberg und Mergentheim Sitze der Ordensleitung. In Wien hält er sich bis heute. Einer der zwölf Unterbezirke war von 1287 bis 1809 die Ballei (Provinz) Ober- und Niedersachsen, die das Gebiet zwischen Weser und Oder einerseits sowie Elbe, Nordsee und Ostsee andererseits umfasste. Er wurde von einem Landkomtur, der in der Kommende Lucklum seinen Sitz hatte, verwaltet. Die Lucklumer Kirche wurde in eine Ordenskapelle umgewandelt und der Haupteingang in den Innenhof verlegt, so dass der obere Hof eine geschlossene befestigte Anlage bildete.
          Die Kommende Lucklum ist ihrerseits aus der Kommende Elmsburg (Kreis Helmstedt) hervorgegangen. Im Jahr 1547 schloss sie sich der Reformation an. Während des 30jährigen Krieges wurde das Gut zerstört, später jedoch von Landkomtur Jan Daniel von Priort wieder aufgerbaut. Sein Grabmal befindet sich in der Lucklumer Kirche. Dort ist auch eine Nachbildung der ältesten Ordensfahne zu sehen. Die weiße Fahne aus dem Jahr 1684 trägt das schwarze Ordenskreuz (das restaurierte Original wird geschützt aufbewahrt).
         Die für die Lucklumer Kirche charakteristische  Emblematik (Versinnbildlichung) verleiht ihr besondere Bedeutung. Die meisten Embleme zeigen sich in grau-schwarzer Malerei. Darunter verbergen sich möglicherweise bunte Wappen. An einigen Stellen ist Farbe zu sehen, die man versuchte freizulegen. Die Embleme sollen nun nach und nach renoviert warden. Das an der Westempore des Gotteshauses vorhandene Bild im ersten Feld zeigt die Wolfenbütteler Marienkirche noch ohne Dachhaube. Da die Marienkirche 1750 ihr Dach aufgesetzt bekam, muss die emblematische Malerei vorher abgeschlossen worden sein. Die beiden zugehörigen lateinischen IInschriften über der Kirche besagen, dass diese „die Welt mit offener Pforte ruft, aber alles nur Weltliche aus ihr verbannt".
          Die Komture in Lucklum hielten enge Verbindung zum braunschweigischen Fürstenhaus in Wolfenbüttel und Braunschweig; das bezeugen die 58 Gemälde der Braunschweiger Herzöge und ihrer Gemahlinnen von Anton Ulrich bis Karl Wilhelm Ferdinand im Prachtstück der ehemaligen Kommende. Weitere Portraits zeigen Hoch und Deutschmeister neben Fürstenpaaren und Landkomturen. Die Bilder haben seit 1737 im dem Rittersaal eine Bleibe gefundenden. Eine prächtige Stuckdecke sowie zwei Kronleuchter zieren den Raum. Auf den Rittersaal folgt ein Billardzimmer mit einer farbenprächtigen Tapete, zur anderen Seite zwei Salons, die “Herzogszimmer”, in denen die Braunschweiger Herzöge immer eine Zuflucht hatten.Vermutlich ist der Rittersaal nicht der erste Saal dieser Art sondern wurde nach dem Dreißigjährigen Krieg auf den Grundmauern eines Vorgängers wieder aufgebaut. Wegen der Ausmalung mit arsenhaltiger Farbe wird der Zugang beschränkt (und sind die Gemälde ungewöhnlich gut erhalten).
         1809 wird die Kommende aufgelöst. Sie ist als weltlicher Besitz nacheinander an die Familien Wahnschaffe, Frerichs und von Henninges übergegangen. Das ursprünglich zur Kommende gehörende Reitlingsvorwerk wurde veräußert. Seit 1831 ist das stattliche Anwesen ein “Rittergut”. Solche Großhöfe waren durch den aufkommenden Maschinenpark  großen Wandlungen unterworfen. “Früher arbeiteten hier mehr als 200 Leute”, berichtet  Johann-Heinrich von Henninges, dessen Familie das Gut seit 1949 bewirtschaftet. „Heute sind es noch zwei". Von Henninges ist Bürgermeister in Erkerode, zu dem Lucklum seit 1974 als Ortsteil gehört.
          Kulturell tut sich in Lucklum einiges. Dazu gehört der Gutspark, der kürzlich Teil des „Förderprogramms zur Erhaltung historischer Gärten und Parks" geworden ist. Die Landesdenkmalpflege kümmert sich um Lucklum genauso wie etwa um den Prinz-Albrecht-Park in Braunschweig. Zunächst wird der große Teich entschlammt, später greifen Bepflanzungspläne und gelegentlich soll es Führungen geben. Sonst aber bleibt der Park wohl den Bewohnern vorbehalten.
          In der Kommende selbst steht nicht nur die Kirche zur Besichtigung offen. Im Rittersaal finden, nach Absprache mit dem Gutsherrn, Hochzeiten, Konzerte und private Feiern statt. Eine kleine Töpferei an der Hauptstraße hat mittlerweile eine lange Tradition. Es gibt einen Goldschmied und schließlich im ehemaligen Hospiz der Kommende, das einst Schule und Altenheim war, seit über 25 Jahren die Antiquitätenwerkstatt von Lothar Weber.
          Und dann ist da noch die „Wegwarte", die Lucklum von anderen Orten abhebt. In diesem Wirtshaus, das ebenfalls auf dem Gelände der ehemaligen Kommende angesiedelt ist, laufen Ausstellungen und Live-Konzerte mit überregionaler Bedeutung. Die Küche ist toll, das Ambiente im ehemaligen Stallgebäude rustikal. Wirt Lucius Goedeke war schließlich letzter Betreiber des legendären „Schlucklum". Wohl auch darum gibt es seit kurzem wieder Tanzabende in der „Wegwarte". Die Wegwarte übersetzt das Konzept des französischen Bistros ins Deutsche, ein durchweg gelungenes Konzept. Geöffnet Mi-Sa 18:00-24:00, So 14:00-21:00. http://www.wegwarte-info.
          Man kam und kommt um Lucklum nicht herum!   
ANSICHT

 

MAGDEBURG

 

Marienberg

Marienberg: Torhaus

 

MarienbergMARIENBERG Auf einer Anhöhe vor Helmstedt liegt Marienberg, das 1180 vom Abt Wolfram von Kirchberg als Nonnenkloster gegründet wurde und Maria zur Ehre benannt wurde. Marienberg ist in der direkten Nachfolge von Mariental entstanden.
         Maria beschützte der Sage nach ihr Kloster. Im Krieg zwischen den Gegenkaisern Otto IV von Braunschweig und Philipp von Schwaben wurde Helmstedt abgebrannt. Als die Feinde auch Marienberg plündern wollten, stellte sich ihnen die Jungfrau mit einer Krone auf dem Haupte entgegen. Als dann Helmstedt 1279 durch den Markgrafen Albrecht von Brandenburg belagert wurde, spannte sie einen Faden zwischen dem Kloster und der Stephanskirche, ging auf demselben und fing die feindlichen Geschosse in ihrem goldenen Mantel auf
       Im 19. Jahrhundert wurde das fast völlig zerstörte Kloster auf den ursprünglichen Fundamenten wieder aufgebaut. Von der romanischen Innenausstattung der Stiftskirche sind Fragmente von Glasmalereien erhalten, die noch aus dem Jahre 1200 stammen. Sie wurden zu einem Fenster an der Ostseite des nördlichen Querhauses zusammengesetzt. Heute beherbergt das Kloster St. Marienberg eine Paramentenwerkstatt, in der nicht nur liturgische Gewänder, sondern auch moderne Stick- und Webarbeiten gefertigt werden. Führungen: (05351)6769.

 

Boerdekreis

MARIENBORN

 

 

Mariental: Wappen

Mariental: Logo

MARIENTAL wird 1138 durch Pfalzgraf Friedrich II. von Sommerschenburg als Zisterzienserkloster gegründet. Anfangs bewohnte es Abt Bodo aus Amelungsborn zusammen mit zwölf Mönchen aus Altenberg bei Köln. 1179 endet das Geschlecht derer von Sommerschenburg und das Kloster mit seinen Besitzungen fällt größtenteils in die Hände Heinrichs des Löwen. Nach einem wirtschaftlichen Aufschwung (Klosterländereien erstreckten sich bis nach Magdeburg, Jüterborg und Braunschweig) begann Ende des 14. Jahrhunderts der Niedergang. 1569 endet die zisterziensische Klostergeschichte. Nach der Reformation beherbergt das Kloster von 1542 bis 1745 eine evangelische Klosterschule und ein Lehrerseminar, das 1773 nach Helmstedt verlegt wird. Heute ist die Anlage Eigentum des Braunschweigischen Vereinigten Kloster- und Studienfonds; die Klosterkirche gehört der evangelischen Kirchengemeinde Mariental. Das Wappen knüpft an diese Geschichte an: neben dem rot-silber-geschachtelten Zisterziensebalken finden sich hier zwei gekreuzte goldene Krummstäbe.
         Im Rahmen des kulturhistorischen Projekts "Zeitenreise – Wege in die Romanik" wurde 1998 im Zisterzienser-Kloster Mariental ein Scriptorium, eine Schreibstube der Romanik, rekonstruiert.

 

 

 

Spring - letzte noch sprudelnde Mascheröder Quelle. Wird aus dem nach Süden und SO 20-40m ansteigenden Gelände gespeist und hat Sommers wie Winters eine Temperatur von 10°

MASCHERODE Geographisch liegt dieser südliche Ortsteil Braunschweigs im östlichen Urstromtal der Oker, ca. 84 Meter über NN. Der östlich angrenzende Wald gibt sein Oberflächenwasser an die Wabe ab, während das Naturdenkmal „Spring" die Oker über den „Flussgraben" („Springgraben") speist.
          Mascherode wird 1192 erstmals als „Mascheroth“ im Urkundenbuch des Hoch-Stiftes Halberstadt erwähnt. 1351 heißt es Maschenrode und, durch Einfluss der Pastoren latinisiert, im 17. und 18. Jahrhundert Masque-roda und Masque-rode. Die Teile des Ortsnamens deuten auf seine Entstehung hin: „Masch" oder „Marsch" weist auf niedrig gelegenes Gelände an Bächen und Flüssen hin und geht hier auf die früher hinter dem Glindemannschen Hof sprudelnde Quelle zurück, an deren Ufer sich die ersten Einwohner niederließen. Das Grundwort „rode" erklärt sich aus Rodungen, die in der Zeit von 800 bis 1100 vogenommen wurden. Dabei halfen Mönche des Klosters Riddagshausen, die alsbald die Fortentwicklung prägten. Bis auf den Südwesten ist Mascherode noch heute von Wald umgeben. Auch die Anordnung des „Dorfkarrees" aus dem 17. Jahrhundert ist noch erkennbar: alle Straßen und Wege sind nahezu rechtwinklig zueinander angeordnet, wie die Straße „Im Dorfe" mit der Kirche, die den „Flussgraben" kreuzt.
          Unterschiedliche geologische Besonderheiten prägen den Untergrund: Während im Nord- und Mitteldorf schwerer Mutterboden über Tonschichten vorherrscht, nimmt nach Süden der Kalkanteil  zu, was zur Ansiedlung von zwei Kalkbrennereien führte. Eine davon lieferte den Mauerkalk für den Wiederaufbau Braunschweigs nach dem Zweiten Weltkrieg. Den Bauern bereiteten die bis auf 109 Meter ansteigenden Mergelflächen Ertragsprobleme und den Siedlern verlangte diese Beschaffenheit beim Ausschachten der Keller – falls überhaupt durchführbar - einigen Schweiß ab. Links und rechts der Salzdahlumer Straße befanden sich in Richtung Zentrum sowie unter der Mascheroder Flur (heutige Südstadt) große Sandlager. Sie wurden im Laufe des 20. Jahrhunderts erschöpft und anschließend mit dem Schutt der städtischen Müllabfuhr verfüllt. Heute sind dies teils aufgeforstete, teils unbebaute Flächen. Die südlich gelegenen Sandkuhlen sind als Naherholungsgebiet „Heidbergsee" bekannt. Der Südrand grenzte direkt an den äußersten Verteidigungsring aus dem Ende des 14. Jahrhundert,  die Braunschweiger „Landwehr“. Erst 1937/38 begann mit der Straße „Am Kalkwerk" die Ausweitung des Wohngebietes.
         Das markante Wappen von Mascherode zeigt einmal einen roten Löwenkopf, der  die Zugehörigkeit Mascherodes zur Stadt Braunschweig zeigt. Im unteren Teil des Wappens symbolisiert der silberne „Stuken“ die Rodung der Masch im Sumpfwald.

MELVERODE („Meinoluesrode") Der Ortsname von Melverode setzt sich aus einem Personennamen als Bestimmungswort und dem Grundwort -„rode" zusammen. Dies bedeutet, ein Mann namens Meinolf hat das Dorf gegründet, wohl Mitte des 9. Jahrhunderts als die  Rodetätigkeit zur Erschließung von neuem Siedlungsland ihren Höhepunkt erreichte. Melverode wird als eines von 36 Dörfern im Güterverzeichnis der Steterburger Annalen aus dem 14. Jahrhundert geführt. In der Urkunde wird allerdings lediglich die Gesamtfläche des Dotationsgutes mit 211 Hufe (1 Hufe entspricht 23 - 30 Morgen) angegeben - über den Umfang der Besitzungen des Stiftes und zu den darauf wirtschaftenden Leuten wird nichts ausgesagt.
         Zur Zeit der Stiftsgründung nach erfolgter Christianisierung durch Karl den Großen drängten die kirchlichen Einrichtungen von Hildesheim und Halberstadt in das Gebiet der Braunschweiger Börde. Die Oker wurde Diözesengrenze zwischen den Bistümern Hildesheim (errichtet 815) und Halberstadt (begründet Anfang des 9. Jahrhunderts). Im 10. und 11. Jahrhundert traten mit den nächsten Stiftsgründungen in Okernähe die ersten bekannten Machthaber der Braunschweiger Börde in das Licht der Geschichte, allen voran die Brunonen.
         Die alte Kirche des Ortes entstand um 1235, und bereits neun Jahre später, 1244 wurde sie zur Pfarrkirche erhoben. Doch wer “St. Nicolai” einmal im spätromanischen Stil erbaut hat, ist bis heute ein Rätsel. Fest steht: Sie ist ein architektonisches Kleinod des mittlerweile 1000jährigen Ortes. Von der vorherrschenden Meinung, die Kirche sei als Schiffer- und Kaufmannskirche erbaut worden, da sie dem Heiligen Nikolaus geweiht ist, oder als Klosterkirche, weil in Melverode einmal kurzzeitig ein Kloster bestanden hat, muss man sich wohl verabschieden: Kirchen, die als Schiffer- und Kaufmannskirchen gebaut wurden, befanden sich ausschließlich in Städten, die auch einen Hafen besaßen oder mindestens als Kaufmannssiedlung das Marktrecht inne hatten. Dies trifft auf Melverode nicht zu. Auch ist die Oker zur Entstehungszeit der Kirche nicht schiffbar gewesen, wie  man heute weiß. Aus der Tatsache, dass St. Nicolai schon vor der Einrichtung des Klosters vorhanden war mag man darüber hinaus schließen, dass es sich um kein Klosterkirche handelt.
Nach einem Text von Norbert Jonscher in der BZ vom 27.01.2007 

Mönchevahlberg_Asse

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KircheMÖNCHEVAHLBERG Im Mittelpunkt des Ortes stand damals wie heute der Mönchehof, ursprünglich ein Lehnsgut des Sachsenherzogs Bruno. Wie eine Schenkungsurkunde, 1134 unterzeichnet von Kaiser Lothar von Süpplingenburg, belegt, geht er an die Mönche des Benediktinerklosters St. Aegidien zu Braunschweig über. 1226 wird der Klosterhof von allen Diensten und Abgaben freigestellt. Nach der Reformation wird er der Universität in Helmstedt unterstellt und als Meierhof an die Fricken gegeben. Seine Erträge gingen seit 1576 zum großen Teil an die Universität. Noch heute steht auf dem ehemaligen Meierhof (jetzt der Hedecke Hof) eine Befestigungsanlage, der alte dreistöckige Bergfried mit seinen hohen Giebeln. Er weist die Spuren eines unterirdischen Ganges auf, der bis in die Asse geführt haben soll; hier haben Gerüchte über “Spöken” und “graue Mönnekens” ihre Wurzel, die in Mönchevahlberg seit Ewigkeiten kursieren. Als 1910 der Pferdestall zur Linken gebaut wurde, stieß man beim Abriss des alten Gebäudes auf eine Grube voller menschlicher Gebeine: Männer Frauen und Kinder, die fast alle enthauptet waren. Sicherheitshalber verschloss man den Fluchttunnel zur Asse, da ihm giftige Gase zu entweichen schienen (eine Erklärung für die Sagen und Todesfälle an diesem Ort?). Schließlich befindet sich hier noch ein Gebäude mit Inschriften von 1463 und 1760. Eine weitere Kostbarkeit des Hofes ist die Barockeinfahrt. Sie stammt als einer der wenigen Reste aus der Schlossanlage Salzdahlum.
          Die ersten Siedler von Mönchevahlberg waren Jäger und Bauern, die sich hier im sumpfigen Gebiet versteckten. Darauf weisen die Flurbezeichnungen Specken/-specke hin. Ein „Specken“ war ein Damm aus Buschwerk und Erde, der einen trockenen Zugang zu den Behausungen gewährte.  Im Jahre 1134 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt: Valeberge. 1528 schrieb man Moneke Vahlberge, also mit dem Zusatz Mönche. Im Gegensatz zu Osteren Valenberge (Klein Vahlberg) wurde Mönchevahlberg zunächst Western Valeberge genannt. Das Kirchdorf Mönchevahlberg war Tochter von Dettum und besaß um 1800 neben der Kirche eine Schule, die das Konsistorium besetzte. Die Kirche ist recht alt. Das Schiff ist mittelalterlich mit Dreiachtelabschluss. Der Turm stammt aus dem Jahre 1740, trägt aber nach einem Blitzeinschlag um 1900 statt der Welsche Haube mit aufgesetzter Laterne eine achtseitige Pyramide, die für die Gegend eher untypisch ist. Über dem Eingang steht die Jahreszahl „
Anno 1755". Im Inneren der Kirche finden wir ein gotisches Sakramentshäuschen. Um 1905 wurde der Bau erweitert. Mönchevahlberg gehörte früher zur Gemeinde Dettum, jetzt - zusammen mit Dettum - zur Samtgemeinde Sickte. ANSICHT

NAUMBURG

NEBRA

NEINDORF So schließt sich der Kreis: Neindorf wurde 822 erstmals in einer Urkunde als Teil von Denkte erwähnt. Seit der Gebietsreform 1974 hat es diesen Status wieder erreicht. Zwischenzeillich war es Nienthorp (1219) Neyndorpe achter dem Oysele (1383, Neendorpe vor dem Oesele (1422) und Neindorff (1539). Von 1398 an war es ein eigenes adeliges Gerichsdorf, 1605 wurde es durch Ludwig von der Asseburg an Georg Engelhardt Löhneiß veräußet. Auf das Jahr 1898 geht der erste Spatenstich zum Schacht “Sascha” getan, 1913 folgte der Schacht “Emil”; beide Anlagen zusammen dienten (wie auch der Schact “Hedwigsburg”) dem Kalibergbau und waren Arbeitgeber für fast 1000 Arbeiter, bis sie am 31. Oktober 1921 “absoffen”. 1936 entstand ein riesiger Krater - “Kulk” genannt - durch einen Einbruch (vergl. Hedwigsburg). Ein Bombenangriff löste am 14. Januar 1944 zahlreiche Brände aus.

    Die Kirche St. Nikolai wird erstmals 1240 als Kirche des Priesters Ludolfus erwähnt. Im 30jährigen Krieg wird sie zerstört und bekommt erst im 19. Jahrhundert ihre heutige Gestalt. Nur ein zweigeteiltes gotisches Fenster und ein romanischer Taufstein - heute im Freien vor dem Kirchturm zu finden -  erinnern an die mittelalterlichen Ursprünge.

NORDHAUSEN

OBSTBAUSIEDLUNG

OELBER awW Wer auf dem schmalen Serpentinen-Sträßchen mit dem Auto in die Wälder der Lichtenberge hineintaucht, drosselt unwillkürlich das Tempo, weil die Augen schweifen möchten. Die Landschaft, noch eben vom industriellen Salzgitter geprägt, wandelt sich zum Idyll. Alleebäume und dichter Wald, Wiesen und Hügellinien in sonniger Ferne - es ist still und immer noch so beschaulich wie in den fünfziger Jahren, als die Städter hier gern “in die Schlüsselblumen" fuhren. Nach etwa fünf Kilometern ist Oelber erreicht.
         Oelber wird erstmals 1226 im Lehnregister der Herren von Meinersen genannt, aber der Ort ist viel älter. Die zweite Silbe mag sich von ´-bur´ (westfälisch: ´büren´) ableiten, was ´Siedlung´ bedeutet. Die erste Silbe könnte ´alabure´/alah´/Heiligtum bedeuten. Ölber wäre dann Sitz eines heidnischen Heiligtums gewesen und im 5. bis 8. Jahrhundert entstanden. Der Zusatz „am weißen Wege " ist nicht alt. Er weist auf die Nähe des Kalkweges nach Groß-Elbe hin, auf dessen Transportstraße weiße Kalkspuren den Weg markierten. So ließ sich der Ort von Ölper unterscheiden, das ebenfalls zum damaligen Herzogtum Braunschweig gehörte. Das Schloss entstand aus einer mittelalterlichen Rundburg und wurde 1588 im Renaissancestil umgebaut:
Im Jahr nach Christi Jesu Geburt 1588 hat Burchard von Cram, Stadthalter zu Marpurg, dis sein urväterlig Hauß erneuert und wider zugerichtet...”. Zugabe des 19. Jahrhunderts sind der aufragende Treppenturm und der Anbau. Vor der Oberburg befindet sich die einflügelige Unterburg, ein langer Renaissancebau.
         Schloss Oelber ist also ganz untrennbar mit dem Adelsgeschlecht der weit verzweigten Familie von Cramm verbunden, die bereits im Jahr 1296 urkundlich erwähnt wird und bis heute hier ansässig ist (siehe auch: Cramme). Die von Cramms dienten den Welfenherzögen als Generäle, als Kammerherren und Minister, es gab Aschwin von Cramm, einen Weggefährten Martin Luthers, und in besonderem Maße machte Gottfried von Cramm (1909_1976), der „Tennisbaron", diesen Namen zur Weltberühmtheit. Er, der “Boris Becker der 30er Jahre" und dreimalige Wimbledon-Finalist, verlebte in Oelber seine Jugend, er liebte dieses Schloss und in Oelber wurde er nach seinem tödlichen Autounfall in Ägypten auch begraben. Heute ist Egbert von Cramm der Hausherr. Der Finanzmanager und seine Frau Helena (eine geborene von Metternich) haben das verwinkelte Schloss, das der Sage nach schon 814 eine Wasserburg gewesen ist, aufwendig restauriert.
         Schloss Oelber, das durch zahlreiche Fehden und Kriege (so auch nach der Besetzung durch Tilly 1662) immer wieder schwer beschädigt worden ist, präsentiert sich als Juwel am Nordrand des 1500-Einwohner-Dorfes. Die Architektur dieses wahrscheinlich 1200 Jahre alten Herrensitzes ist uneinheitlich. Die Rundanlage - einst von Wassergräben umgeben - wird durch den Turm überragt. Der kleine  Innenhof ist von unterschiedlich hohen Gebäuden - teils aus Fachwerk - umgeben. Im Süden liegt die Tor-Durchfahrt mit Tonnengewölbe und Renaissancegebälk. Kein Wunder, dass Regisseur Kurt Hoffmann von diesem verwunschen wirkenden Ort hingerissen war und hier 1960 den Film „Das Spukschloss im Spessart" mit Lieselotte Pulver drehte.
       Nach jahrelangem Dämmerschlaf schob Helena von Cramm dieses Kleinod ein wenig ins Rampenlicht. In den renovierten Gutsgebäuden finden Ausstellungen wie die Kunst-und Antiquitätenmesse statt, es gibt Konzerte, Auktionen, Feste, Meetings von Konzernen und den mittlerweile traditionellen Weihnachtsmarkt, der inzwischen mit vielen tausend Besuchern fast die Möglichkeiten sprengt. Diese Aktivitäten sind für die Hausherren nicht nur eine persönliche Herausforderung, sondern gleichzeitig eine Überlebenschance für den traditionsreichen Besitz und eine Aufwertung für den Ort. Doch  wenn sich nach solchen „Events" der Trubel gelegt hat, dann ist dieses Fleckchen am Südrand der Lichtenberge auch gleich wieder ein Tal der Stille.

OCHSENDORF (Königslutter)

Ohrum: WappenOHRUM Was macht man eigentlich, wenn ein Dorf von heute auf morgen älter wird? Ohrum, eine Gemeinde im mehr als 100 Orte zählenden Landkreis Wolfenbüttel, ist kürzlich tatsächlich um 600 Jahre gealtert. Grund: Zufallsfunde, die jetzt die Ortsgeschichte verlängert haben, waren zunächst ein paar Tonscherben unter einem Ackerpflug. Sie ließen Archäologen neugierig werden, die im Jahre 2000 zwei Öfen zur Bronzeverarbeitung aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus fanden Schon bevor sich dieser gewaltige Sprung in der Historie auftat, waren die Ohrumer stolz auf ihren Ort. Im Jahr 531 fand hier wohl die Entscheidungsschlacht zwischen den Sachsen und Thüringern statt. Auch mit einem Alter von “nur” 1252 Jahren ist Ohrum der älteste Ort Niedersachsens. Diese Angabe ist in einer Urkunde von 747 verbrieft, einem Jahr, aus dem eine Geschichte überliefert ist, die in manchen Soaps Platz hätte: Es geht um Familienstreit, Machtkampf und Bruder-Hass:
          Eigentlicher Anlass war das mangelnde sittliche und geistige Vermögen der fränkischen Herrscher. Ihre Nachlässigkeit überließ den Hofbeamten immer mehr Macht. Und so geschah es, dass Majordomus Karl Martell im Jahre 741 seinen Söhnen Karlman und Pipin die Herrschaft übergab. Hätte er dabei nicht seinen Sohn Gripho, dessen Herkunft als Versehen einer Nebenehe berichtet wird, nur mit einem kleinen Stück Macht bedacht, sähe es heute anders aus mit Ohrums erster Erwähnung 747. Gripho konnte mit der Schmach nicht leben, floh nach Sachsen, sammelte ein Heer um sich und setzte sich oberhalb des Flusses „Ovacra (Oker) im Ort, der Orheim genannt wird", fest. So heißt es in den Annales Regni Francorum. Pipin drang mit dem Heer der Franken durch Thüringen gegen seinen Bruder vor, fiel in Sachsen ein und schlug sein Lager im Ort Scalningi auf, dem heutigen Schöningen. Mit dieser Geschichte also waren die Ohrumer schon lange auf Platz eins in der Hitliste der ältesten Orte Niedersachsens.
Ohrum: Kirche          Die Bewohner des Dorfes in der Samtgemeinde Oderwald gehen mit der vermeintlichen Last der Geschichte gelassen um. Schließlich sind die verfeindeten Brüder Pipin und Gripho nicht das Einzige, was sie zu bieten haben. Da war zum Beispiel Karl der Große. Er, ein Sohn des Pipin, war bestrebt, sich das Reich der Sachsen untertan zu machen. Damit allein war es für den abendländischen Christ nicht getan. Er wollte, dass sich die Heiden zum Christengott bekennen. So kam es, und auch davon zeugen die Annales, im Jahr 780 bei Ohrum zur Sachsentaufe.
           Die Tatsache, dass der heutige 730-Seelen-Ort überhaupt diesen Platz in der Geschichte hat, kommt nicht von ungefähr. Eigentlicher Grund ist die Okerfurt, die sich im Bereich des heutigen Ortes befunden hat und ein Teil des äußerst wichtigen "Deitwegs" (auch als Hellweg bekannt) war. Dieses war einer der ältesten Handelswege, vom Rhein zur Elbe. Er verlief von Cramme durch den Oderwald, über den Schmiedeweg und den Kirchplatz, zur Okerniederung. Hier überquerte die alte Völkerstraße vom Rhein zur Elbe die Oker und hier fanden bedeutsame Entscheidungsschlachten statt (s.o.). In das urkundlich dokumentiete Licht trat Ohrum 1022, zur Zeit als Bernward, Bischof von Hildesheim, Ortsherr war. Bis zur Hildesheimer Stiftsfehde im 16. Jahrhundert gehörte der Ort zu Hildesheim, dann vorübergehend zum Herzogtum Braunschweig. All diese historischen Bezüge werden durch das Ohrumer Wappen versinnbildlicht: mit seinem geraden Längs- und gewellten Querbalken zeigt es die Kreuzung eines Landweges mit einem Wasserweg - zugleich steht das Kreuz für den ersten urkundlich genannten Ortsherren und die schon 1022 erwähnte Ortskirche. Das Blatt bezeugt einerseits den Überlebenswillen der Gemeinde, andererseits die Zugehörigkeit zur Gemeinde Oderwald. Die Farben, rot und gelb, entsprechen sowohl den Hildesheimer Stiftsfarben als auch dem Braunschweigischen Stammwappen.
         Und auch wenn Ohrum durch Zufallsfunde immer älter wurde, stand im Jahr 2000 die bekannte Geschichte im Vordergrund: Nach einem 1998 aufgestellten Gedenkstein für die im Dorf lebenden Flüchtlinge aus der Grafschaft Glatz in Schlesien wurdel der Sachsentaufe gedacht, die man an historischer Stätte, dem „Vaddemloch", mit einem Stein dokumentierte.

OSTERWIECK

 

PLÖTZKE

QUEDLINBURG

QUERUM ist seit 1934 ein Stadtteil Braunschweigs. Die erste Erwähnung als Scunthera erfolgt 997 zu einer Zeit, als Harderode am heutigen Hondelager Weg noch bestand und Querumer Ritter auf dem Borwall eine Wasserburg errichtet hatten. 1148 wird es in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Riddagshausen erstmals als “Quernheim” (Mühlenheim) erwähnt. In der heutigen Gemarkung Querum lagen derzeit mindestens drei weitere Siedlungen, von denen zwei namentlich unbekannte spätestens im 13. Jahrhundert und Harderode um 1325 wüst wurden.Zwei frühere Siedlungskerne wuchsen später zum Ort Querum zusammen: Monnekequernem (1307) gehörte zur Abtei Riddagshausen. Dorpquernem wird 1324 als ‘ villa deserta’ beschrieben und gehörte ebenfalls zum Kloster. Im Laufe des 14. Jahrhunderts wird es neu besiedelt.
         Veränderungen in der ursprünglich bäuerlichen Ortsstruktur brachte die Industrialisierung bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Siedler und Handwerker zogen nach Querum. 1749 wurde die erste herzogliche Ziegelei gegründet, zugleich wurde der Schunterkanal gebaut, der zum wichtigen Handelsweg wurde. 1872 wurde eine zweite Ziegelei von F.C. Meyer Erben errichtet.
         Aufmerksamkeit verdienen zwei denkmalgeschützte Häuser, die Nummern 36 und 39 an der Bevenroder Straße. Weitere  Kulturdenkmale sind die Korinthenschule von 1746 und die Kirche von 1864.
           Um die Renaturierung der Schunter bemühen sich seit Jahrzehnten erfolgreich die Querumer Jägerschaft und der Bezirksrat Wabe-Schunter: inzwischen bringen Fische wieder Leben in das Gewässer. Im Wappen erinnert das Mühlrad auf die Bedeutung der Schuntermühlen hin. Die Zweiteilung symbolisiert das Zusammenwachsen aus den beiden Siedlungskernen.   
Nach einem Aufsatz von Ute Dierks in der BZ (10-04)

 

Räbke: WappenCampingplatzRÄBKE am Nordost-Rand des Elms ist ein beliebter Naherholungsort mit einem ausgedehnten Wanderwegnetz, beginnend an den Schunterquellen. Das idyllische Dorf hebt sich mit seinen Baudenkmälern sowie einem hohen Baumbestand entlang des zweigeteiltem Schunterlaufes von den anderen Dörfern der Elm-Börde-Region ab. Die Samtgemeinde Nord-Elm betreibt in Räbke ein Freibad mit Campingplatz. Neben dem Freibad befindet sich der Ferienpark Nord-Elm mit einer ansprechenden Ferienhaussiedlung (160 Betten). Wie das Wappen zeigt, herrscht in Räbke an Straßen und Plätzen die Linde vor; das Wassermühlrad erinnert an die folgende große Geschichte des Ortes:

St. Stephani, RäbkeKleines Dorf mit großer Papiergeschichte. Als 1576 der herzöglichen Welfenuniversität zu Helmstedt mit ihrer für Niedersachsen einmaligen Buchproduktion das Papier ausging, war es der Helmstedter Patrizier, Buchhändler und Mäzen Hermann Brandes, der im Sinne der Versorgungssicherheit gleich mehrere Papiermühlen gründete. In Räbke war dies1594 zunächst die Mittelmühle, die "seiner Fürstl. Gnaden Julius Universität zur Ehren" konzessioniert und verpflichtet wurde. Dies Engagement löste umgehend harte Auseinandersetzungen mit den Edelherren von Warberg aus. Dieser „ersten Räbker Mühlenkrieg" wurde bis zur bitteren Neige bzw. bis hin zur „Einreißung der newen Gebew" geführt. Mit jenem von Brandes in Räbke begründeten neuen Gewerbezweig erlangte der kleine Mühlenort eine mehr als nur lokalgeschichtliche Bedeutung. Wie Buch und Papier zusammengehören so gehören Helmstedt und Räbke in der Frühzeit der damals modernen, reichsgeschichtlich besonders gewichtigen Alma Julia zusammen! Ein Vertrauensbeweis seitens der fürstlichen Kammer ist die Tatsache, dass die Räbker Papierproduktionsstätte jahrelang in fürstlichem Auftrag das Papier zu den 1607 bis 1609 zu Helmstedt gedruckten “Braunschweigischen Historischen Handlungen” des Professors Henricus Meibom lieferte – ein Mammutwerk und Lieblingsprojekt des Regenten Heinrich Julius.

Raebke: Oelmuehle

         Ähnliches ließe sich auch zur Obermühle berichten, die gleich unterhalb der Quelle der damals wasserreichen Schunter liegt. In Anbetracht der auf reines Wasser besonders angewiesenen Papiermacherei war sie begünstigt, aber auch technisch auf der Höhe: Zum Jahr 1743 heißt es, sie sei als eine neue, dem Lande sehr nützliche Fabrique anzusehen, weil  sie so schönes besonderes und großes Schreib- und Druckpapier zu machen weiß, welches sich im ganzen Lande nicht hat finden lassen".  Diese Mühle wird im 19. Jahrhundert schlicht als die „Holländische Papiermühle" bezeichnet. Eine weitere Räbker Mühle, die „Fürstliche Papiermühle" unterhalb der Mittelmühle sah ebenfalls gute Zeiten. Der Ort dieser "Untermühle" ist heute wüst. Anfang des 18. Jahrhunderts existierten in Räbke bereits vier Papiermühlen. Die zweitälteste Wassermühle des Ortes, die Liesebachmühle war von 1236 bis 1953 in Betrieb. Sie wurde von den Mönchen des Ludgeri-Klosters in Helmstedt gegründet. Die Geräte auf dem Walzenboden sind sehenswert! Nirgendwo sonst in Niedersachsen gab es je so viele Wassermühlen auf so engem Raum - noch heute gibt es acht ehemalige Mühlengebäude zu besichtigen!

Aus Räbkes Papiergeschichte wird weiter berichtet, dass die Konkurrenz auf den von Honrodtschen Mühlen zu Veltheim und Sickte oder auf der großen staatlichen Okermühle hinsichtlich der Papierqualität und des Preises immer wieder ausgestochen werden konnte und dass die Braunschweigische Landesregierung die Räbker Mittelmühle aufgrund ihrer Leistungsfähigkeit sogar gegenüber der eigenen herzoglichen Mühle bevorzugte. Hinsichtlich des regierungsseitigen Bestrebens auf der Suche nach einem geeigneten Lumpensurrogat wurde in Räbke mit den skurrilsten Materialien experimentiert: In Räbke fand die Forschung statt! Leider ist das heute alles Geschichte. Vorbei die Zeiten, in denen die Wasserzeichen der Papiere den Ortsnamen RAEPKE in die Welt hinaustrugen und weithin bekannt machten.
Literatur: Joachim Lehrmann: Herausragende Standorte der Buch- und Papiergeschichte in Niedersachsen / Helmstedter und Räbker Buch- und Papiergeschichte. Lehrmann-Verlag-Lehrte 1994, 385 S. ISBN 3-980 3642-0-8till.

    Die Mühlen sind ein aber längst nicht der einzige Aspekt in der langen Geschichte Räbkes: JMewes

REGENSTEIN

Remlingen von der Asse aus gesehen


Remlingen: WappenREMLINGEN , an der Südspitze der Asse gelegen, wird urkundlich 1022 als “Remminge” erwähnt, 1378 als “Remmelinge”. In den nächsten Jahren erscheinen immer wieder mal andere Schreibweisen des Ortes, wie Ramnigge, Remnigge Remmelinghe, Remminghe. Erst 1359 tritt die heute übliche Schreibweise auf. Das Pfarrdorf Remlingen war Sitz einer Superintendentur mit Aufsicht über die Pfarren von Semmenstedt, Hedeper, Seinstedt, Winnigstedt, Achim, Kissenbrück, Neindorf, Groß Denkte und Groß Biewende. Der Berghauptmann und Stallmeister Georg Engelhard von Löhneysen betrieb bis Ende des 16. Jh. eine bedeutende Buchdruckerei, in der herzogliche Schriften und Arbeiten über das Bergwesen gedruckt wurden. Der Edelhof  der von Löhneyseschen Familie steht in der Rittermatrikel; vor dem Dorf stand eine zum Gut gehörende steinerne Mühle, erbaut nach Holländerart
         Von besonderer Bedeutung für Remlingens Entwicklung war der Asseschacht, der ab 1898 abgetäuft wurde. 1906 wurde mit der Errichtung der Schachtanlage begonnen. In den Jahren 1908 bis 1926 wurde vor allem das carnallitische Kalilager nördlich des Schachtes abgebaut. Die Kali-Rohsalzförderung wurde später zugunsten des Steinsalzes beendet. Im Jahre 1964 wurde der Betrieb des Werkes eingestellt. Nach seiner Stilllegung wurde der Schacht zur Forschungsstätte und Endlagerungsstätte für radioaktive Rückstände ausgebaut. Von 1967 bis 1978 wurden 124 494 Fässer mit schwach radioaktivem Abfall in elf Kammern auf der 750 Meter-Sohle eingelagert. Auf der 511 Meter-Sohle wurden dazu 1293 Fässer mittelradioaktiven Abfalls unwiederbringlich im Salz eingelagert. 1978 endet die Genehmigung für die Einlagerung. 1987 wird in 800-950 Metern Tiefe der Forschungsbereich der GSF (Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung, München) für Endlagerfragen hochaktiver Abfälle in Betrieb genommen. Dieser hatte die Aufgabe, die Grundlagen für eine Einlagerung hochaktiver Abfälle in Gorleben zu ermitteln, musste aber aus Kostengründen nach wenigen Jahren geschlossen werden.
         Das Ortswappen bezeugt den älteren Teil dieser Entwicklung: Im Blau eine goldene Spitze mit blauem Schlegel und blauem Eisen, schräg gekreuzt, stellt den Bergbau dar, oben rechts ein goldenes Zahnrad steht für die Maschinenfabrik Remlingen, oben rechts eine goldene Pflugschar für Landwirtschaft und Garten.
Grabanlage: Rekonstruktion

Grabstätte rekonst.

         Auf dem Hohberg gibt es bedeutende Grabanlagen der mittleren Jungsteinzeit (ca. 3000 Jahre v. Chr.), aus einem Zeitraum, in dem die Menschen bereits als Ackerbauern und Viehzüchter in kleineren, weilerartigen Siedlungen sesshaft waren. Diese Entdeckung verdanken wir dem Remlinger Ortsheimatpfleger Norbert Koch, dem 1987 bei einer seiner regelmäßigen Feldbegehungen in der näheren Umgebung eine besondere Steinkonzentration auffiel. Erst 10 Jahre später fand eine Probegrabung durch Mitarbeiter der Braunschweiger Bezirksregierung statt, die die Existenz eines Mauerkammergrabes nachwies. Vergleichbare jungsteinzeitliche Anlagen sind bisher vor allem aus Sachsen-Anhalt und Thüringen bekannt, für das niedersächsische Nordharzvorland konnte dieser Grabtyp hier erstmals nachgewiesen werden. Ein Nachbau dieser Grabkammer wird im Ort von Schülern der Haupt- und Realschule errichtet, an der Koch von 1969-2001 als Hausmeister tätig war.
         Die Grabung von 1998 bot  die einzigartige Möglichkeit, Einblick in die Lebensweise und den Totenkult einer jungsteinzeitlichen Bevölkerung zu nehmen. Danach gestaltete sich das Leben der steinzeitlichen Bewohner hart und entbehrungsreich, wovon die durchschnittliche Lebenserwartung von etwa 30 Jahren zeugt. Archäologen und Anthropologen bedienten sie sich modernster Techniken, die die digitalisierte dreidimensionale Dokumentation von Wandmauem, Steinplattenpflaster und der Reste des verkohlten Sparrendaches der Grabkammer sowie sämtlicher Funde ermöglichten.
         Das ost-westlich ausgerichtete „Totenhaus", das anhand von typischen Gefäßen und verzierten Scherben der mitteldeutschen “Bemburger Kultur" zugeordnet werden kann, war außergewöhnlich gut erhalten. Mit der noch bis zu 50 cm hohen Einfassungsmauer aus ortsfremden Gesteinen, der Steinpflasterung und den deutlich erkennbaren Resten von verkohltem Holz des eingestürzten Daches boten sich gute Möglichkeiten zur Rekonstruktion der Mauerkammer. Der Zugang erfolgte von der östlichen Schmalseite. Links und rechts dieses Eingangsbereiches fanden sich Langknochen und Schädelteile von Rindern. Von Osten her fällt der Boden rampenartig zum eigentlichen Bestattungsraum hin ab. Hier ließen sich Reste von mindestens fünf Menschen sowie von weiteren Haustieren wie Schaf, Ziege und Schwein, dokumentieren. Während anfangs die gesamte Kammer genutzt wurde, erfolgten nach dem Ausräumen und Niederbrennen der Anlage weitere Bestattungen nur innerhalb der östlichen Hälfte. In der westlichen fand sich das vollständige Skelett eines wenige Wochen alten Hundewelpens. Das Tier wurde dort zusammen mit einer Tasse und einem Rindeunterkiefer vor dem Brand der Anlage deponiert.
         Bei weiteren Auswertung boten vor allem die ausgezeichnet erhaltenen verkohlten Holzbalken die Möglichkeit, neben einer C-Datierung und Dendrochronologie auch die Holzart der verwendeten Dachkonstruktion zu bestimmen. Die Knochenfunde von Menschen und Tieren wurden im Institut für Zoologie/Anthropologie der TU Braunschweig untersucht; soweit es der Erhaltungszustand erlaubte, wurden auch Genanalysen vorgenommen. Spezielle Untersuchungen der in der Grabkammer erhaltenen Pflanzenreste lieferten Indizien für den „Speiseplan" der ganz alten Remlinger.
         Am Südhang des Spielberges in Remlingen gab es 1950 ein erstes Anzeichen dessen, was sich später als ein frühchristliches Reihengräberfeld aus den Jahren 800-850 n.C. herausstellte: Schüler entdeckten beim Hamsterroden auf "Niebuhrs Acker" ein kleines Gefäß, das über den Lehrer an das Braunschweigische Landesmuseum, Abteilung Ur- und Frühgeschichte in Wolfenbüttel ging. 2001 war das Jahr, in dem man man auf einer 40 x 40 Meter großen Fläche unverbrannte Menschenknochen fand . 2003 schließlich wurden in einer durch die Bezirksregierung veranlassten Grabung 55 Grabstellen eines langgestreckten Gräberfeldes entdeckt. Auffällig ist, dass darunter zahlreiche Gräber von Kindern im Alter von über drei Jahren sind - Hinweis auf eine alte Tragödie?

RIDDAGSHAUSEN Vor Braunschweigs Stadttoren, zwischen Nussberg und Buchhorst, ließen sich im Jahre 1145 Zisterzienser des Konvents aus Amelungsborn nieder. Die Gründung eines Klosters war seit 1143/44 durch Ludolf von Wenden vorbereitet worden, der in Personalunion Ministerialer Heinrichs des Löwen und Vogt von Braunschweig und Amelungsborn war. 1145 wurde das Amelungsborner Tochterkloster unter dem Namen "Marienzelle" gründeten, das kurz darauf den Namen des benachbarten Dorfes Riddagshausen annahm. Als Ort wird Riddagshausen 1146 zum ersten Mal urkundlich erwähnt, eben in jenem Jahr, in dem Heinrich der Löwe dem in Gründung befindlichen Kloster das Dorf "Ritdageshusen" mit all dessen Landbesitz und Arbeitskräften als Erstaustattung übertrug. Aus dem Ortsnamen lässt sich unschwer ablesen, dass die Siedlung zwei bis drei Jahrhunderte länger existiert. Gegründet wurde sie offensichtlich von einem Mann namens Ricdagus bzw. Riddagus; dieser Vorname war hier noch bis zum 12. Jahrhundert anzutreffen. Die Endung "-husen" für einen Ortsnamen war in dieser Gegend nur bis zum frühen 10. Jh. gängig und wurde später durch Endungen wie "-roth" ("-rode") oder, im 12. Jahrhundert "-hagen" abgelöst. Die lage des ehemaligen Einzelhofes Caunum am Rande der heutigen Buchhorst ist archäologisch nachgewiesens (Nähe des Hotels “Aquarius”). An den beiden Teichen von Mönche-Schöppenstedt (Klein schöppenstedt) stand ehemals die Clus, eine schützende Hütte, in die sich die Mönche zurückziehen konnten, um auch tagsüber die Regeln des Ordens einzuhalten
         Päpstliche Bestätigung und Schutz besitzt das Kloster seit 1147. Wie Heinrich der Löwe, so förderte auch Bischof Rudolf III. (1136–1149) von Halberstadt die Ansiedlung der Zisterzienser in seinem Bistum. 1216 begann man, die Klosterkirche durch einen Neubau zu ersetzen. Für den mit 84 Metern längsten Kirchbau Niedersachsens wurden Steine aus dem Nußberg geholt. Schon im 13. Jahrhundert waren die Zisterzienser wirtschaftlich unabhängig. 1267 erwirbt Riddagshausen einen Stadthof in Braunschweig, der als Herberge für Äbte und als Speicherhof für den Verkauf aus Grangien dient. Auf den Hochflächen von Klein Schöppenstedt und am Nußberg unterhalten die Mönche Weinberge. In Riddagshausen brauen sie ein obergäriges Bier, die “Schuddelkappe”. Als die Ordensbeitritte nachlassen, wurden die Grangien Klein-Schöppenstedt, Bründeln, Wobeck, Mascherode und Unseburg in Dörfer zurückverwandelt, das Land wurde verpachtet. Anfang des 14. Jahrhunderts entstand außerhalb der Klosteranlage das Dorf Neuhof, das den heutigen Ortskern bildet. 1605 gab es in Neuhof zwei große Ackerhöfe, acht Kothöfe und ab 1683 auch ein Rittergut. 1822 wurde Neuhof mit der Klosterdomäne zu einer Kirchengemeinde vereinigt.
         Vorbild der Riddagshäuser Klosterkirche war das Zisterzienserkloster Cîteaux in Burgund, wo der Orden entstanden war. Die architektonische Konzeption folgte zunächst dem verbindlichen Prinzip asketischer Strenge - der Schmuckreichtum anderer zeitgenössischer Bauten wurde nicht kopiert. Erst als begonnen wurde, das Mittelschiff einzuwölben, hatte sich in der Architektur der klassisch-gotische Stil durchgesetzt, so dass im weiteren Verlauf zunehmend von der Idee einer puristischen Zisterzienserkirche abgewichen wurde. Nach gut 60jähriger Bauzeit wurde Klosterkirche 1275 geweiht. Das Torhaus (in dem sich heute das Zisterziensermuseum befindet) war übrigens schon Ende des 12. Jahrhunderts entstanden, während die kleine Fremdenkapelle nebenan kurz vor der Klosterkirche fertiggestellt wurde.
         Höhepunkte im Kirchenleben der folgenden Jahrhunderte waren der Besuch des Kardinals Nicloaus von Cues 1451 sowie die Gewährung bischöflicher Rechte (wie das Tragen von Mitra und Ring) an den Abt von Riddagshausen durch Papst Sixtus IV. Seit 1492 kam es immer wieder zu Zerstörungen durch Braunschweiger: die Welfenherzöge schlugen bei ihren Belagerungen der Stadt Braunschweig ihr Feldlager bevorzugt in Riddagshausen auf, haben also die Braunschweiger provoziert. Die Reformation wurde durch Herzog Julius 1542 eingeleitet und 1568 abgeschlossen Von 1690 bis 1809 beherbergte das Kloster ein Predigerseminar. 1856-83 erfolgte die Renovierung der Kirche, in den Jahren 1962-75 kam es zu weiteren Ausbesserungen und Neuausmalungen. Von der frühen Anlage sind die Kirche (1275), die Siechenkapelle (1305), ein Stück Klostermauer, der Zugang zum Kloster und das romanische Nordtor-Gebäude 1147) mit der Torkapelle und der Pförtnerzelle erhalten. Diese bereits erwähnte "Frauenkapelle" von 1275 war für den Gottesdienst von Fremden und Frauen bestimmt.
         Die Riddagshäuser Teiche Auch die ausgedehnte Teichlandschaft des heutigen Riddagshausen ist auf die Tätigkeit der Zisterziensermönche zurückzuführen, die die damals sehr sumpfige Gegend entwässerten und Fischteiche anlegten. Von den ehemals 28 Teichen existieren heute noch 11, worunter der Schapenbruchteich, der Mittelteich und der Kreuzteich als größte zu nennen sind. Die flachen nährstoffreichen (eutrophen) Teiche mit ihren Schwimmblatt- und Unterwasservegetation sowie Verlandungszonen werden auch heute noch fischereiwirtschaftlich genutzt. Das Fischerhaus gibt es seit 1720. Am Wasser trifft man eine reichhaltige Tier- und Pflanzenwelt an. Viele seltene Vogelarten sind oder waren hier zu Hause, von der Krickente bis zum Eisvogel, vom Zwergtaucher bis zur Rohrweihe.
         Seit dem 19. Jahrhundert setzten sich viele Persönlichkeiten aus Braunschweig und Riddagshausen für den Erhalt des Teichgebiets in seiner ursprünglichen Natürlichkeit ein, so Prof. Johann Heinrich Blasius mit seinen Söhnen, die dort umfangreiche Feldbeobachtungen durchführten, Studienrat Gerhard Schridde oder die Familie Nehrkorn vom Klostergut Riddagshausen. 1934 erwirbt die Stagt Braunschweig vom Kloster und Studienfonds das Klostergelände und wandelt es 1935 in die “Stiftung Reichsjägerhof” um. Den Bemühungen des Braunschweiger Arztes Dr. Otto Willke ist es zu verdanken, dass das Teichgebiet Riddagshausen 1936 zum Naturschutzgebiet erklärt wurde, wodurch einem weiteren Heranrücken der städtischen Bebauung Einhalt geboten werden konnte. Nach dem Krieg ging der Stiftungsbesitz 1945 an das Land Niedersachsen, das gemeindefreie Gebiet “Buchhorst” wurde 1955 an die Stadt abgegeben. 1962 wurden die Riddagshäuser Teiche auf Antrag von Dr. Rudolf Berndt, Leiter der Vogelschutzstation Braunschweig, zusammen mit den Weddeler Teichen in den Rang eines "Europareservates" erhoben. Mittlerweile besteht die Gefahr, dass dieser Titel wieder aberkannt wird, da die Zahl der seltenen Vogelarten, die hier brüten oder auf ihrem Durchzug rasten, rückläufig ist.

Oderwald: Wappen

Karte entfernt am 06.02.10

Bärlauch -

RIESEBERG Nach dem Urkundenbuch der Herzöge von Braunschweig steht unter 1344 die Bezeichnung Risberghe, 1353 Ryseberge und 1359 de Riseberch. Im Erbregister des Amtes Königslutter ist unter dem Jahr 1530 der Name Rißenberg vermerkt. Bei all diesen Schreibweisen liegt scheinbar die Deutung auf der Hand: riesiger Berg. Die Rieseberger haben ihre Geschichte in allen Einzelheiten dokumentiert und natürlich wird in den Unterlagen die häufig gestellte Frage, was denn an Rieseberg so riesig sei, ausführlich beantwortet. Tatsächlich ist da der 158 hohe Rieseberg, der einem freilich beim besten Willen nicht sehr mächtig vorkommen will. Früher glaubte man, der Dorfname habe etwas mit dem Begriff  Reisig zu tun. Inzwischen sind sich die Experten einig, dass Rieseberg sich vom althochdeutschen ris und mittelhochdeutschen rise ableitet, was so viel wie Abhang hieß, siehe auch die englische Bezeichnung ´to rise´(sich erheben).
          Ewig mit der Geschichte des Ortes wird ein furchtbares Verbrechen auf Rieseberger Boden verbunden sein. Auf dem etwas außerhalb gelegenen „Pappelhof", ursprünglich eine Ziegelei, wurden am 4. Juli 1933 elf Braunschweiger Arbeiter, Gewerkschafter und Kommunisten von SA-und SS-Hilfspolizisten gefoltert und umgebracht. Die Morde wurden vertuscht. Der Ort der Untat ist heute eine Gedenkstätte.
         Die Kirche Riesebergs (von 1585) hat das Zeug, jede Trauung zu einer glücklichen Erfahrung werden zu lassen. Eine Freude ist es, den Pflegezustand der Häuser von Rieseberg zu sehen, dessen Kern die Form eines langgestreckten Hufeisens hat: ablesbare Wohnzufriedenheit. Doris Brand, die kürzlich den Dorfkrug in Rieseberg übernommen hat hofft, dass  Gäste aus der Region vorbeischauen. Andere Dörfer dieser Größe haben schon längst keine Gastwirtschaft mehr -  die Rieseberger wissen, was sie daran haben. Nach: Harald Duin Braunschweiger Zeitung, 28.08.2002
          Um den 158 Meter hohen Hügel Rieseberg herum gibt es eine fast unberührte Naturlandschaft. Hainbuchen- und Eichenwälder breiten sich hier mit ihrem üppigen Unterholz aus. Im nahen Moor existiert eine vielfältige Fauna (Kolkrabe, Braunkehlchen, Rotmilan) und reichhaltige Flora (Fettkraut, Sumpfwurz, Moorenzian; nicht zu vergessen: der Bärlauch im Mai), vor allem Grauweiden, Birken und Erlen. Auf dem kalkreichen Boden in den anderen Teilen des Naturparks wachsen Türkenbund, Leberblümchen, Farn- und Bärlapparten im Fichtenwald des Elms; Gold-Disteln und Enzian sind neben Fliegenragwurz und Knabenkraut auf den Wiesen anzutreffen.
.          Wie auf dem Erlebnispfad Rieseberg zu erfahren, entstand der Rieseberg vor 65 Millionen Jahren im Zusammenhang mit der Bildung des Salzstocks von Beienrode. Weitere Themen sind seine Umgebung, sein Wald und Flora und Fauna des hier vorhandenen Sandmagerrasens. Ausgangspunkt des Erlebnispfades ist der Wanderparkplatz am Sportplatz Rieseberg; eingerichtet wurde er  vom Verein Freilicht- und Erlebnismuseum Ostfalen (Femo).

Kunstverein Röderhof (Alte Brauerei)

 

 

RÖDERHOF siehe Huysburg

 

 

 

ROKLUM am Südostrand des Landkreises Wolfenbüttel gelegen. Wie viele Orte unserer Heimat ist das frühere preußische Dorf Roklum älter als seine erste Erwähnung 1159 in einer Urkunde. Dort wird der Ort "Rokele" genannt. Spektakulär war der seltene Einzelfund eines Denars der römischen Kaiserin Faustina (gest. 140-41 n. Chr.). Häufiger sind Keramikfunde aus der römischen Kaisereit; der Südosthang am "Tünneckeborn" war seit etwa 400 v. Chr. besiedelt. 400 Meter östlich von Rocklum, in der "Hellwiese" gibt es Hinweise auf menschliches Leben vor 2000 Jahren. Von den Roklumer Feldern stammen ferner einige  mittel- und jungsteinzeitliche Oberflächenfunde, darunter Scherben aus der Merowinger- und Karolingerzeit.
           1982 wurden in der Roklumer Kirche mittelalterliche Scherben, sowie alte Kirch- und Altarreste entdeckt; ein Skelett wurde freigelegt. Demnach wurde die im Ursprung romanische Marienkirche mindestens zweimal erweitert. Im späten Mittelalter hatte Roklum eine schwierige Zeit zu überstehen, als der Domprobst Eigentum an einen Raubritter, Konrad von Lutter, verkaufte, der fortan die Gegend unsicher machte. Auch das Roklumer Wappen, am 23.05.1939 von der Provinz Sachsen genehmigt, erinnert an die Vergangenheit: auf Silber ist ein Harzer Fuhrmann mit schwarzer Hose und blauem Kittel dargestellt. Dies erinnert an die 1722 eröffnete Postkutschenlinie und den Haltepunkt der "Braunschweigisch-Herzoglichen Postexpedition”. Die Fuhrleute freuten sich, wenn sie ab 1802 im Gasthof  an der Ortsmitte ausspannen konnten. Deutlich sichtbar ist noch die große - inzwischen allerdings erneuerte - Toreinfahrt.
         Die Roklumer Kirche beherbergt eine der wertvollsten Orgeln aus dem Gebiet der lutherischen Landeskirche - sie wurde 1742 durch den im Halberstädter Raum wirkenden Papenius geschaffen und 1982-1985 saniert. Weiterhin gibt es einen sehenswerten Epitaph des Dardesheimer Amtmannes Arnold von Landsberg (1588-1637). Nur wenige wissen, dass sich unter der Wetterfahne, im Knauf, seit 1790 Schriftstücke historischen Inhalts finden, die wichtige Phasen der Roklumer Ortsgeschichte belegen.
         Seit der Grenzeröffnung am 12. November 1989 gehören der Große und der Kleine Fallstein wieder zum Naherholungsgebiet von Roklum und seinen Besuchern.

ROTENKAMP am Rieseberg, urkundlich erstmals 1346 erwähnt. Der Name setzt sich wohl aus "Roden" (Rodung) und "Kamp" ( freies Feld) zusammen.Herzog Magnus I. R. verpfändete das Dorf "to deme roden Kampe", wie es scheint als Zubehör zur Burg Campen, an ,"deie von Honlege". Spätere Nennungen mit Rodenkamp (1348), Rodekamp (1413) und ,"to dem roden Campe" (1473). Die Flurkarte von 1757 zeigt einen Rundling mit einer Kapelle auf einer Anhöhe innerhalb des Ringes. Rotenkamp bestand ursprünglich aus 7 Reihehöfen und war kleiner als Boimstorf und Rieseberg.
           Die ursprünglich das Dorfbild prägenden niederdeutschen Hallenhäuser wurden aufgrund eines gestiegenen Raumbedarfes durch Scheunen und Stallungen ergänzt und später weitgehend durch mitteldeutsche Bauweisen ersetzt.
Während sich in Rieseberg die spätere Siedlungstätigkeit nur tangential an den Rundling angelehnt hat, wurde in Rotenkamp die alte Rundlingslage zwischen die verschiedenen Siedlungserweiterungen gerückt, so dass heute die Ortsdurchgangsstraße den Rundlingskern direkt berührt.

ROTHEMÜHLE In der Ortschaft Rothemühle (Schwülper-Rothemühle, Kreis Gifhorn) bietet DIE Rothemühle - ein Bild, das sich seit dem 30-jährigen Krieg nahezu unverändert erhalten hat. An der Oker gelegen, gibt es hier eine der noch wenigen aktiven Mühlen im Land zwischen Harz und Heide. Das imposante Ensemble des ausgedehnten Mühlenhofes mit der intakten Mühlentechnik vermittelt den Eindruck einer herrschaftlichen  Wassermühle, wie sie einst über Jahrhunderte an vielen Orten in Norddeutschland zu finden war.
           Erste Erwähnung findet die “Rodemollen” 1348, als Herzog Magnus von Braunschweig den damaligen Müller Gernandum zum freien Mann erklärt und ihn damit aus der Leibeigenschaft entlässt. vermutlich ist sie jedoch schon im Zuge einer Klostergründung um 1200 entstanden. Ursprünglich als reine Getreidemühle errichtet, wurde 1559 auf der anderen Seite des Mühlengrabens eine Walkmühle installiert 1687 wird die Mühle an den Müller Moritz Bertram verpachtet , die 1721 durch eine Ölmühle ersetzt und 1827 wiederum auf Weizenvermahlung umgestellt wurde. Fünf Generationen lang bis 1824 bleiben Bertram und seine Nachkommen im Besitz des Pachtrechtes. Sie verstanden es, in diesem Zeitraum durch Erneuerungen und Erweiterungen die wirtschaftliche Stabilität der Mühle zu sichern und zu mehren und so einen zeit- und standesgemäßen Wohlstand zu schaffen.  Dass die Mitglieder dieser starken Müllerfamilie auch ansonsten am knackigen Leben teilnahmen, belegen ein paar “pikante” Eintragungen im Kirchenbuch der Gemeinde Schwülper:“Hans Jürgen Bertram, Meister Moritz Bertrams Sohn zu Rothemühle, muss für Defloration Anna Magdalena Eßmanns in Klein-Schwülper, die er nicht geheiratet hat, sondern eines Krügers Fricken Tochter aus Beddingen, geben 24 Rthl.”                
           Ende des 19. Jahrhunderts wurden die beiden Gebäude der Doppelmühle neu konzipiert. Die linksseitige Mehlmühle wurde zu einer damals modernen Handelsmühle umgebaut und die ehemalige Ölmühle für Lohnmüllerei zur Erzeugung von Futterschrot eingerichtet. Der wirtschaftlichen Entwicklung folgend hat auch die Wasserkraft einem steten Wandel unterlegen. Ursprünglich vier vom Stoß des Wassers getriebene Stauberräder wurden durch zwei größere Kropfräder ersetzt, die das Gewicht des Wassers nutzend mit besserem Wirkungsgrad arbeiten. Das fünfte Wasserrad der Schrotmühle wurde 1913 von einer Francisturbine abgelöst. Neben der Getreidevermahlung dienen heute die Turbine und ein Wasserrad der Stromerzeugung. Durch Einbau einer Fischtreppe nach dem Prinzip des Mäander-Fischpasses wurde die Oker 2003 für alle wandernden Organismen durchgängig gemacht, so dass in Verbindung mit der regenerativen Energiegewinnung eine ökologische Mühlenanlage entstanden ist.

    Chronik
    1348 erstmals schriftlich erwähnt
    1559 zusätzliche Errichtung einer Walkmühle
    1585 ältester erhaltener Pachtvetrag der herrschaftlichen Amtsmühle mit vier unterschlächtigen wasserrädern
    1720 Errichtung einer Ölmühle an der Stelle der ehemaligen Walkmühle
    1721 Neubau der wehranlagen; deren Umfassungsmauern gibt es bis heute
    1884 die Mühle wird vom letzten Pächter, Heinrich Meyer erworben und kontinuierlich modernisiert. Die vier bisherigen Wasserräder werden durch zwei großformatige Räder ersetzt
    1910 das Wasserrad der Ölmühle wird durch eine Francis-Turbine mit 24 PS ersetzt, die der Futter-Schroterzeugung dient
    1993 der jetzige Besitzer, Richard Brüdern, rüstet die Turbinenanlage zum Kleinkraftwerk um
    •        diese Anlage erzeugt jährlich 120 000 kWh, ausreichend für 50 Haushalte
             o      hierdurch werden jährlich 120 000 kg CO2, 170 kg Schwefelgase und 85 kg Stickoxide (NOX) vermieden, die bei Energierzeugungmit fossilen Brennstoffen entstünen
     

ROTTORF (Gemeinde Rennau) am Klei ist vermutlich schon im 9. Jahrhundert entstanden, als das Gebiet noch vollkommen bewaldet war (nicht zu verwechseln mit Rottorf bei Königslutter!). 1256 löste Volrad von Kranichsfeld, Bischof von Halberstadt, die Kapelle Rottorf aus dem Parochialverband Ochsendorf und übertrug sie dem Kloster  Mariental. 1277 verkaufte das Kloster "Rothorpe" an Gottfried von Vorsfelde, erwarb es aber zehn Jahre später zurück. Ab 1534 war ein Marientaler Mönch Pfarrverwalter von Rottorf. 1680 löste sich Rottorf kirchlich von Mariental und wurde Rhode angegliedert. 1842 wurde es ein Raub der Flammen. Da man beim Wiederaufbau vom Niedersachsenhaus abging, änderte sich das Ortsbild.
Eisengrube Rottorf           Rottorf verbindet die politische Geschichte mit den anderen Hasenwinkeldörfer Ahmstorf und Rennau. Bei der Erbteilung der Welfen im Jahr 1267 fiel der Hasenwinkel an die braunschweigische Linie. 1309 kam er zum Fürstentum Lüneburg,  fiel aber 1388 erneut der braunschweigischen Linie zu. Bei der Erbteilung von 1428 gelangte er wieder an das Haus Hannover. 1489 bildete er die Gografschaft "Im Hasenwinkel" und war Lehen der Edelherrn von Meinersen. 1539 kam das Gebiet zusammen mit Fallersleben durch Erbabfindung an Herzog Franz von Gifhorn, woraus sich später der Amtsbezirk Fallersleben entwickelte, ab 1867 die  Kreishauptmannschaft Gifhorn, zusammen mit dem Amtsbezirk Gifhorn, Isenhagen und Meinersen. Zur Zeit des Königreichs Westfalen (1807 bis 1813) gehörten die drei Dörfer teils zum Kanton Weferlingen, teils zu Bahrdorf. 1867 bis 1885 gehörten sie wieder zur Kreishauptmannschaft Gifhorn. 1885 entstand der Landkreis Gifhorn, der 1933 mit dem Kreis Isenhagen  vereinigt wurde.
           Rottorf am Klei verfügt über ehemals wichtige Eisenerzlagerstätten aus dem Jura. Das rotbraune Erz enstand im strandnahen Meeresbereich und wurde durch Flusswasser an die ehemalige Küste transportiert. In der Mischungszone zwischen Süß- und Salzwasser entstanden Eisenpartikel, die sich am Meeresboden sammelten und daraus Minerale wie Goethit und Hämatid. Eisenhaltige kalkige Kügelchen entsprechen dem andernorts gefundenen Rogenstein. Eisenerze wurden schonseit dem 19. Jahrhundert im Tagebau “Ernst August” für die Helmstedeter Hütte abgebaut - 350 000 Tonnen Erz zwischen 1938 und 1950. Heute stellt die Erzgrube Rottorf den letzten über Tage zugänglichen Aufschluss von Jura-Erz in Niedersachsen dar.

RÜHME Der Stadtteil im Braunschweiger Norden besteht seit 1000 Jahren. Ursprünglich war Rühme eine Schilfsiedlung am Ufer der Schunter. Inzwischen ist der Ort zu einem der verkehrsreichsten Orte der Stadt mutiert. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung stieg die Einwohnerzahl von etwa 400 in den "Dreißigern" auf heute 3000 - Tendenz weiter steigend.
         Kaiser Heinrich II. machte im Jahr 1007 Rühme dem Kloster Steterburg zum Geschenk. Das alte Pfahldorf war nur schwach besiedelt. Seine Bewohner waren Bauern, die sich und ihre Familien mühsam ernähren mussten. Ein Hinweis auf die Armut der Rühmer ist die Tatsacehe, dass das Dorf keine eigene Kirche und keinen Friedhof besaß;.erst Mitte der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde ein Gotteshaus gebaut.
         Vor mehr als 150 Jahren schien das AUS für Rühme gekommen: Der große Brand vernichtete sechs von elf Bauernhöfen. Allerdings sind Rühmer zähe Leute: Noch im selben Jahr wurde an der heutigen Osterbergstraße wieder gebaut. Der wirtschaftliche Aufschwung Ruhmes begann dann mit der Industrialisierung. Handwerksbetriebe entstanden, eine Zichorienfabrik und eine Konservenfabrik wurden gebaut. Darüber hinaus wurde Rühme wurde zum Spargeldorf - auf 60 Prozent seiner Ackerfläche wurde das Edelgemüse angebaut.
         Die Struktur Ruhmes  veränderte sich grundlegend mit dem Bau der Autobahn und des Hafens.  Die dörfliche Idylle Ruhmes verging zusammen mit den zahlreichen Heideflächen im Rühmer Land. Während das Rühmer Spargelland noch vor einigen Jahrzehnten bis zum heutigen Schwarzen Berg reichte, haben der Ausbau der Gifhorner Straße zur vierspurigen Durchgangsstraße und der Bau der A 391 den Ort nachhaltig verändert. Zunächst hat man sich noch über eine deutliche Entlastung vom Verkehrsstrom gefreut. Die Verkehrsberuhigung dauerte allerdings nur kurze Zeit: Neue Handwerksbetriebe siedelten sich im Bereich der Gifhorner Straße an. Vorbei ist es auch mit der Landwirtschaft: seit rund 20 Jahren werden die fruchtbaren Äcker um Rühmenicht mehr beackert - damals fuhren zwei einheimische Bauern fuhren ihre letzte Ernte ein.
Nach einem Aufsatz von Dieter Schäfer in der Braunschweiger Zeitung vom 30.11.2006

RÜNINGEN wird um 800 nach Christus im Güterverzeichnis des Klosters Fulda als "Riungi" erwähnt. Nach dem Dokument haben "Uodiltag und seine Gemahlin Wentelsvint ihre Güter, südlich der Aller und an der Oker gelegen, dem Kloster des heiligen Bonifatius durch eine Urkunde übertragen".
         Rüningen wird mehrfach in die um Braunschweig herrschenden Kriege, Unruhen, Aufstände und Machtkämpfe einbezogen. So wird der Ort 1200 bei Kämpfen um die deutsche Königskrone zwischen dem Welfen Otto IV. und dem Staufer Philipp von Schwaben  niedergebrannt. Raublustiger Adel plünderte 1380 die Dörfer um Braunschweig und ein Jahr später tobt die Schlacht am Thieder Lindenberg, die zwischen der Stadt Braunschweig und Herzog Otto von Braunschweig Lüneburg, genannt "der Quade" (der Bösen) geführt wird. dabei geht Rüningen erneut in Flammen auf.
         Zur Verbesserung des Schutzes wird kurz vor 1400 mit dem Bau der Landwehr um Braunschweig. An der Straße nach Thiede, einer wichtigen Verbindung nach Frankfurt, wird 1398 der Rüninger Landwehrturm errichtet. Alledings gehen Streitigkeiten und Raubzüge trotzdem weiter. Die schon 1318 erwähnte Rüninger Mühle wird bei einem Rechtsstreit zwischen Herzog Heinrich und der Stadt Braunschweig wurde durch ein Feuer vernichtet.
         Das "Rüninger Zollhaus" wird 1643 errichtet. 14 Jahre später wütet im Dorf die Pest, es sterben 13 Menschen. 1724 wird er alte Landwehrturm abgerissen, doch bleibt das Rüninger Zollhaus erhalten. Die Ablöseverordnung von 1834 hebt die Leibeigenschaft der Rüninger Bauern auf und macht sie zu Herren auf der eigenen Scholle. Noch im selben Jahr fährt die erste deutsche Staatsbahn von Braunschweig über Rüningen nach Wolfenbüttel.
         1933 zählte Rüningen 1029 Einwohner, und das Rüninger Gebiet der heutigen Gartenstadt kommt zur Stadt Braunschweig, wonach die Siedlung der damaligen "Dietrich-Klagges-Gartenstadt" mit fünf unterschiedlichen Haustypen entsteht. Im letzen Kriegsjahr 1945 werden die Kirche und viele Häuser durch Bomben zerstört. Vor dem Einmarsch der Amerikaner 1945 werden ein Silo der Rüninger Mühle und einige Häuser des Ortes durch die Sprengung der Okerbrücke beschädigt.
Die Kirche wirde 1953 wieder aufgebaut, 1960 wird das Gewerbegebiet erschlossen
         Als Rüningen im Jahr 1974 durch die Verwaltungs- und Gebietsreform in die Stadt Braunschweig eingemeindet wird, verliert der Ort seine politische Selbstständigkeit. Am Tage der Eingemeindung wehte in Rüningen die Gemeindefahne mit Trauerflor auf Halbmast. Nach einem Artikel von Jürgen Ahlborn in der BZ (15.10.2004)

 

Naturdenkmal Salzgraben

Salzdahlum: Logo

Queller

“Salzgraben” Salzdahlum: Schon 1652 wird er als Fundort verschiedener Salzpflanzenarten genannt. Solche Arten konnten sich an dieser binnenländischen Salzstelle fernab der Meeresküste, ihrem eigentlichen Verbreitungsgebiet, eigenständig weiterentwickeln. Wegen ihrer Seltenheit wurde diese ökologische Niesche 1980 durch den Landkreis als Naturdenkmal ausgewiesen. Warum ist der Zutritt untersagt? Weitere BILDER

 

Salzdahlum: WappenSALZDAHLUM bestand bereits 888 und lud zu allen Zeiten die Menschen zum Bleiben ein, die Gegend bot fruchtbare Böden und genügend leicht erreichbares Wasser. Der Hauptanziehungspunkt war zweifellos seine Salzquelle, über die bereits 888 berichtet wird; auf dem östlich gelegenen Salzberg bestand später eine Saline, deren Betrieb 1853 eingestellt wurde. Südlich der “Salzbergstraße” von Salzdahlum nach Sickte liegt an der Wabe eine kleine Anhöhe, an der noch heute Salzwasser zutage tritt und die Vegetation bestimmt.
       Der Salzberg ist nicht ganz leicht zu finden und in keiner neueren Karte verzeichnet: vor der Stelle, an der die Wabe die Straße Salzdahlum-Sickte kreuzt, gibt es das Werksgelände “FHW Benecke & Rehse”. Am Firmenschild biegt rechts ein Feldweg ab, der alsbald durch ein Schild “Privatgrundstück - betreten verboten” und durch eine Schranke verbarrikadiert wird. 50 Meter dahinter findet sich zur Linken die seit 1980 als “Naturdenkmal” ausgeschilderte Stelle. Sie ist nur ein Überrest der ehemligen Quelltöpfe, die dem Industriegrundstück weichen mussten. Der auf ganzer Länge erhaltene Grenzgraben diente zum Absperren des Quellgebietes gegen den Eintritt von Süßwasser.
         Im niedersächsischen Raum geht der Ursprung vieler Salzquellen auf das Zechsteinmeer zurück, das sich vor 200 Millionen Jahren vom Ozean trennte und ein seichtes Becken über ganz Norddeutschland bildete. Unter dem Einfluss eines wüstengleichen Klimas setzte Verdunstung ein, wobei nacheinander Kalk, Gips, Steinsalz und Kalisalze ausfielen. Ursprünglich lagen die Salzschichten damit waagerecht. Dies änderte sich vor 150 Millionen Jahren, als die Ablagerungen in der saxonische Faltung zu gewaltigen Stöcken aufgepresst wurden    Im Wolfenbüttler Gebiet ist die Siedesalzgewinnung bei Salzdahlum und Barnstorf für das Mttelalter nachweisbar, sie mag jedoch weit früher begonnen haben.
         Schon 1864 regte sich neues Leben am Salzberg: Salzdahlumer Bauern hatten den Nutzen des Zuckerrübenanbaus erkannt. Sie gründeten die Actien-Zuckerfabrik und bauten die Fabrikgebäude neben, zum Teil auch auf dem Salinengelände
          Ursprünglich existierten Ober- und Niederdahlum (Dahlum = “Talheim”), zwei nebeneinanderliegende Dörfer am Hain- und Wohlbleeke. In der Mitte stand die Kirche, zu der die Bürger beider Orte getrennte Eingänge benutzten. Noch heute gibt es zwei Forstgenossenschafte mit Holzanteilen im Mascheroder und im Lechlumer Holz: die Oberdahlumer und die Niederdahlumer Forstgenossenschaft.. Zu Oberdahlum gehörte im 18. Jh. ein Schriftsassenhof, zu Niederdahlum das fürstliche Schloss, dessen Garten und das Amtshaus.

 

Salzdahlum: Schloss

Salzdahlum: Schlosspark

Mauerstein: Rest der Herrlichkeit

Salzdahlum: Schlosspark

  hätte Anton Ulrich doch den ortsansässigen Fachmann gefragt!....^

Schloss. Herzog Anton Ulrichs hatte den Traum von einem Schloss, das Versailles den Rang ablaufen sollte. Er erwarb ^1672 zunächst die Domäne, dann, 1677 wurde das eigentliche Projekt südwestlich des Dorfes angegangen, dort, wo sich heute der Gutsgarten, Wiesen und Felder erstrecken. Erst elf Jahre später kommt es zu den ersten Bauarbeiten einer aufwändigen  Drainageanlage  im feuchten Boden. Schon bald zeichnet sich ab, dass allein die Materialkosten von 100 000 Talern das Vermögen des Herzogs und seiner Gemahlin bei weitem übersteigen. So kommen Anton Ulrich und sein Landbaumeister Lauterbach schließlich zu der Überlegung, den Palast ganz aus Holz zu bauen. Säulen, Treppen, Fassaden und Fundamente aus Holz - in Salzdahlum entsteht die größte „Holz-Ungeheuerlichkeit" der Welt. Wo heute die Felder und Erdbeerbeete der Domäne liegen, erhob sich ein prächtiges Barockschloß mit mehreren Innenhöfen, einer Bildergalerie und Orangerie, eingebettet in weitangelegte Gärten mit Springbrunnen, Pagoden, einem Mausoleum für den herzoglichen Hund und Irrgarten. 1713 besuchte Zar Peter der Große den Wolfenbüttler Herzogshof und damit Salzdahlum. Friedrich der Große heiratete hier 1733 Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern - eine Verbindung im Interesse der Kontakte zwischen Preußen und Österreich, die nicht von Dauer war. Leider war auch die leichte Bauweise des Schlosses nicht von langer Dauer: der feuchte Untergrund ließ diLage des Schlossparkse Salzdahlum: Alte WacheGebäude verfallen. Am 24.11.1810 wurden die letzten Kunstschätze des Schlosses versteigert. 1811 schenkte König Jerome von Westfalen der Stadt Braunschweig Schloss Salzdahlum, und erwartete dafür seine repräsentative Herrichtung. 1813 wurde es abgerissen.
             Im Niedersächsischen Staatsarchiv Wolfenbüttel wird eine eindrucksvole Pergamenthandschrift von 1699, die Stiftungsurkunde des “Klosters zur Ehre Gottes” in Salzdahlum aufbewahrt Was mag Anton Ulrich bewogen haben, im Barockzeitalter ein Frauenkloster zu gründen und es mitten in den Park des Lustschlosses zu setzen? War es reines Prunkbedürfnis oder erwartete er davon einen kulturellen Schub? Dies sind unbeantwortete Fragen! Die ersten Konventualinnen wählte die Herzogin noch persönlich aus. Den Konvent bildeten Witwen und Angehörige von Hofbeamten. 1791 erfolgte der Umzug von Salzdahlum ins Zentrum von Wolfenbüttel, wo noch heute zehn Konventualinnen in der Klostergemeinschaft leben. Eindrucksvolles Zeugnis der Vergangenheit ist die kostbare Ledertapete aus dem 17. Jahrhundert im Andachtsraum. Sie stammt offenbar noch aus dem Schloss Salzdahlum.
             Heute ist von der gesamten Schlossanlage nichts mehr vorhanden als die einstige Reitbahn. Zum Glück konnten die unter Denkmalschutz stehenden letzten baulichen Überreste, die Alte Wache, einst Torhaus zum Schloss, und die zum Lagerschuppen heruntergekommene Reitbahn vor einigen Jahren durch den Ingenieur Peter Schlagner-Hein erworben werden. Dieser hat das Torhaus vorbildlich restauriert, wobei sogar die vorhandenen Lehmwände recyclet wurden. In der Reitbahn gibt es noch herrliche Gewölbe und einzelne Räume mit 6,50 Meter Länge und 8,40 Breite. Hier wurden bereits 1988 die originalen Strukturen der Schlossbauweise rekonstruiert und es wurden gut erhaltene Stuckgewölbe freigelegt.
           Unzählige Reste des Schlosses (Kapitelle, Säulen, Möbel Bilder, Skulpturen) finden sich noch in Parks, Höfen, Wohnungen und Museen. Eine barockene Toreinfahrt befindet sich am Klosterhof in Mönchevahlberg, das “Kavalierhaus”  wurde auf dem Gutshof derer von Münchhausen in Groß Vahlberg wieder aufgebaut. Der Platz, an dem das Schloss  einst stand ist heute die Pferdeweide der Domäne. Wer sich einen Eindruck von der einstigen Pracht verschaffen möchte, sei auf das südlich von Haldensleben gelegene Schloss Hundisburg verwiesen, das 1712 von Johann Friedrich II. von Alvensleben, einem Freund Anton Ulrichs, errichtet wurde. Von dessen Baumeister Hermann Korb zum Barockschloss umgebaut, ist es nahezu identisch mit dem Salzdahlumer Schloss. Sorgar ein entsprechender Barockgarten gehört zur Anlage.
Bericht Bilder
Domäne Salzdahlum         Domäne. Als Anton Ulrich und sein Bruder Rudolf im Jahre 1672 Land für den Bau eines Lustschlosses vor den Toren Wolfenbüttels suchten, wurden sie in Salzdahlum fündig. Dort gab es bereits die Domäne, die auch als Versorger des Schlosses selbständig blieb. 1704 stellte die fürstliche Kammer einen ersten Pachtvertrag aus. Zeitweise hatte die Domäne Brau- und Fischereirechte und auch die Gerichtsbarkeit (weshalb alte Salzdahlumer noch heute statt “zur Domäne” “zum Amt” gehen). Das Herrenhaus wurde 1801 abgetragen und bis 1850 wiedererrichtet. Bis 1970 diente die Domäne als Versuchsgut der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL, Braunschweig). 1971 erhielt Heinrich Weber den Zuschlag, als er sich um die Pacht des zum Land Niedersachsen gehörenden Gutes mit seinen 230 Hektar Ackerland bewarb. Heute führt sein Sohn, Reinhard Weber, den Betrieb. Spezialität: Erdbeeren, die noch wie Erdbeeren schmecken.
         Im Wappen von 1999 sind drei silberne Salzkristalle zu finden, die in ihrer Anordnung auf die Bedeutung des Ortsnamens “Salz-Talheim” hinweisen. Ihre Zahl entspricht den alten Ortskernen Oberdahlum, Niederdahlum und Salzdahlum. Auf dem grünen Grund (Salzwiesen, Barockgärten, Landwirtschaft) steht der Herzogshut (Krone), der uns daran erinnert, dass Salzdahlum im 17. und 18. Jahrhundert Sommerresidenz der Herzöge von Braunschweig war.
ANSICHTEN

SALZWEDEL

 

Sambleben: Schloss

SAMBLEBEN Die erste Erwähnung des am Elm gelegenen Dorfes geht auf das Jahr 1146 zurück. Im Jahr 1201 ist dann auch vom adligen Geschlecht derer von Sampleben - Bodo de Campenleue - die Rede. In den Urkunden 1219 bis 1225 findet man die Schreibweise Tscampenlowe und Zcampenleve, 1224 Scampeleve, 1280 Zampeleve.. Die mundartliche Form bezieht sich noch heute auf die alten Schreibweisen: Tsamlewwe. Die Endung -leben bezeichnet die Hinterlassenschaft, das Erbe an Grund und Boden. Für das Alter solcher Ortsnamen spricht, dass sie, Gebirge und Sümpfe meidend, an den für Ackerbau am besten gelegenen Stellen gegründet sind. Nach dem Aussterben des Adelsgeschlechtes fielen seine umfangeichen herzoglichen Lehen heim, und die halberstädtischen wurden an das herzogliche Haus vergeben. Daraufhin konnte Herzog Heinrich Julius 1593 „Haus und Amt Sambleben" seiner Gemahlin verschreiben, die es bis 1626 besaß. 1627 belehnte Herzog Friedrich Ulrich mit dem Schloss, vier Höfen und sechs Hufen Franz Jakob von Cramm und übertrug ihm auch das herzogliche und das bischöfliche Lehen. Sehenswert sind das Barockschloss, das Hermann Korb geschaffen hat. Das Schloss wurde an der Stelle eines alten, 1587 erbauten Wasserschlosses errichtet. Der Bauherr war Thedel (Theodul) von Cramm. Eine barock eingefasste Kartusche zeigt die lateinische Inschrift, die in der Übersetzung lautet: „Für sich und seine Nachkommen hat diesen von seinem Großvater mit barem Gelde 1627 erworbenen Adelssitz, dessen Gebäude von Alter zerfallen waren und deshalb zum Grunde niedergelegt wurden, mit großen Kosten ganz neu im Jahre 1701 aufgebaut. Theodul von Cramm." Nur der Vorderflügel ist im Inneren ausgebaut. Der Gartenflügel, der wahrscheinlich eine Haupttreppe und einen Festsaal aufweisen sollte, ist nicht vollendet. In der Erntezeit wurden früher bis zu 150 Leute beschäftigt, denn es galt fast 1000 Tiere zu versorgen. Nachdem 1992-1994 der ehemalige Gutsgarten im Pachthof bebaut wurde, gibt es neben dem Ober- und dem Unterdorf nun auch ein Mitteldorf. Seit 1910 fließt Elmwasser aus der Quelle im Meinetal (südlich des Tetzelsteins) bergabund füllt den Behälter an der Friedenseiche.
Sambleben_KircheSchloss: Innenhof           Die Rokokokirche von Sambleben ist ein Saalbau mit Apsis, das Südportal weist die Jahreszahl 1770 mit den Wappen derer von Cramm auf. Drei gratige Kreuzgewölbe ruhen auf Rundsäulen bzw. toskanischen Wandpfeilern (Meier und Dehio). Die gesamte Innenkirche ist rokokoartig gehalten. Typisch die wie Muscheln gerieften und gefransten Formen, die an kurvige Kanten angesetzt wurden. Auf den Emporen beider Seiten die Herrschaftslogen. Der Turm der Kirche stammt aus romanischer Zeit (romanische Doppel-schallöcher), stand also schon vor der Kirche von 1666, an ihn wurde nun der neue Bau angelehnt. Um die Jahrhundertwende befand sich in ihm noch ein Grabgewölbe.
           Die heutige Orgel der Kirche ist ein Kleinod, dessen Urfassung im Hauptbuch der Kirchengemeinde 1776 beschrieben wird. Gefertigt von Johann Daniel Boden, besteht sie aus vier Orgeltürmen und blieb bis nach dem zweiten Weltkrieg unverändert, wurde aber vor 30 Jahren “ihrer Windversorgung, Mechanik und ihres Pedalwerks beraubt”; die Windanlage wurde inzwischen weitgehend original wieder hergestellt. Dieses ist das einzige Instrument der Braunschweigischen Landeskirche, das in der Substanz der Manualwerke fast vollständig erhalten blieb.
           Im Hauptbuch der Kirchengemeinde finden sich folgende Eintragungen:
Die alte Kirche zu Sambleben ist von denen Herrn v. Gramm, als Herrn Hans Philipp v. Cramm, Fürstlich-Braunschweigisch-Lüneburger Ober- und Geheim, Kammerrath.. und Thedel v. Cramm Anno 1666 Gott zu Ehren..von Grund aus neu erbaut... und der Grund zu dem Bau der jetzigen neuen Kirche von dem Herrn Franz Jacob v. Cramm... Anno 1770 geleget." Der Bau wurde von seinem Nachfolger vollendet und am 2. Oktober 1774 eingeweiht. „Wie er denn von denen Herrn v. Cramm als Erb- und Gerichts-herrn zu Sambleben und Kneitlingen auf eigene Kosten in Bau und Besserung erhalten wird."
         Über den Vorläufer der jetzigen Kirche (Bau von 1666) erfahren wir sonst nichts. Eine an der Südseite der heutigen Kirche befindliche Sonnenuhr aus dem Jahre 1700, die der Neujustierung bedarf, könnte ein Hinweis darauf sein. Eine große Restauration erfolgte in den Jahren 1960-1965.
         Die baugeschichtliche Nähe vom Gut und der Rokokokirche ist nicht zufällig. So wird gelegentlich auf die Ähnlichkeit von Schloss- und Kirchenportal hingewiesen. Allerdings besteht ein großer zeitlicher Abstand. Ersteres ist ein Barockbau von 1701, die Kirche entstand etwa 70 Jahre später. Eine stilistische Nähe zu  Hermann Korb scheint unverkennbar. Die Architektur des Schiffes ist mit der von Schöppenstedt verwandt, jedoch wurde der eigentliche Baumeister nie ausgemacht.
         Der Dorfschelm “Samb” löste zum Heimatabend 1995 in Schöppenstedt Lachsalven aus. Till Eulenspiegel hat Konkurrenz bekommen!
ANSICHT

Sambleben: Ein Dorf stellt sich vor!

 

SCHANDELAH Früher wurde der Ort auch als "Groß-Schandelah" bezeichnet und zwar mit Rücksicht auf einen untergegnagenen Ort, die Wüstung Klein Schandelah. Schandelah wird bereits um 1200 als "S(c)andelege" erwähnt, ist aber vermutlich bereits zwischen 500 und 800 n. Chr. gegründet worden.
         In der Geschichte erlangt Schandelah mehrfach Bedeutung, so zunächst als Sitz der "Gografschaft Schandelah im Amte Campen". Wie aus einer Urkunde von 1346 hervorgeht, zählt Schandelah neben Volkmarode, Dibbesdorf, Essehof, Schapen, Weddel, Hordorf, Lehre, Flechtorf, Beienrode, Boimstorf, Rotenkamp und Scheppau zum "Zubehör" der bei Flechtorf gelegenen Burg Campen, einer Wallburg aus dem 10.Jahrhundert.. Der Wolfenbüttler Herzog hatte die Burg an die Stadt Braunschweig verpfändet, die sie zum Schutz ihrer Handelwege vor Raubrittern einsetze. 1494 geht die Burg samt allen genannten Ortschaften in das Eigentum der Lüneburger Linie über. 1512 gibt der Lüneburger Herzog Schandelah - und nur dieses - an die Wolfenbüttler zurück von wo es, gemäß Abmachungen von 1432, erneut an Braunschweig geht. So findet sich Schandelah, mit kurzen Unterbrechungen, rund 300 Jahre in Braunschweiger Pfandbesitz. 1745 wird es mit dem inzwischen wieder zu Wolfenbüttel gehörenden Amt Campen vereinigt.
Fischsaurier         Bedeutsam ist für lange Zeit eine Salzquelle auf dem Halbspännerhof ass 24, die nicht nur von den Ortsbewohnern ausgebeutet wird. Ihre Spuren verlieren sich um das Jahr 1796. Die Gemeinde ist auf oolithischen Eisenerzen der Lias-Formation gelegen, die am Ende des 19. Jahrhunderts ausgebeutet werden. Im Posidonienschiefer (Leitfossil: die Posidonien-Muschel”) gibt es Ölvorkommen, die  im Zweiten Weltkrieg in einem höchst unrühmlichen Kapitel deutscher Geschichte durch die Ausbeutung von Zwangsarbeitern im KZ Schandelah abgebaut wurden. Berühmtheit erlangt das Skelett eines hier vorgefundenen Fischsauriers, Euchinosaurus longirostris, aus der Klasse der Ichthyosaurier, welches hier auf einer Fläche von 100 Quadratmetern geborgen werden konnte (Geopark-Zentrum Königslutter).
         Das Wappen der seit dem 1. März 1974 zu Cremlingen gehörigen Gemeinde Schandelah zeigt im gespaltenen Schild vorn im mit roten Herzen bestreuten blauen Feld einen zur Schildmitte gewandten, rot bewehrten goldenen Löwen, hinten in blau drei waagerechte goldene Spitzen übereinander. Kenner werden in dem Löwen anhand der Herzen sofort den lüneburgischen erkennen, obgleich dieser aus Kontrastgründen in „falschen" Farben dargestellt wurde (richtig steht er blau im goldenen Feld). Jedoch gehörte Schandelah ehedem tatsächlich zum Haus Braunschweig-Lüneburg und kam erst 1512 anlässlich einer Erbteilung an die wolfenbüttelsche Linie. In der Ortsgeschichte spielten früher die Herren von Scanlesche, die später in Braunschweig nachzuweisen sind, eine Rolle. Ihrem Schild entstammen die drei schrägen silbernen Spitzen in Farben, die sich nun an den braunschweigischen Landesfarben orientieren.
TOURENKARTE

 

Schapen: WappenSCHAPEN   Die reitsportliche Trophäe in Schapens Wappen erinnert an den noch heute gepflegten Brauch des Fahnenjagens. Das Original verzichtet zumeist auf das Symbol des Pferdes und ist in blau-gelb gehalten - als Hinweis für die jahrhundertelange Zugehörigkeit zum Land Braunschweig und darauf, dass der Ort bis zu seiner Eingemeindung 1974 eine selbständige Gemeinde im ehemaligen Landkreis Braunschweig war.

 

 

Scheppau am Rieseberg

 

Ammonit aus Scheppau (Lias)SCHEPPAU liegt in einem einsamen Tal am Fuß des Rieseberges, am Flüsschen Scheppau. Eine Urkunde von 888 besagt, dass Scheppau  zum Kloster Corvey a.d. Weser gehörte; hier werden mehrere Ortschaften genannt, die auf der anderen Seite der Weser liegen. Unter den Orten „im Osten jenseits des Flusses Quacram gelegen“ befindet sich Scheppau unter der Nr. 8. Möglicherweise hat das erste Dorf weiter westlich an der Stelle gelegen, die heute den Flurnamen „Auf der Dorfstätte“ und „Hinter der Dorfstätte“ trägt. Noch um 1780 sind auf der Dorfstelle Trümmer der ehemaligen Kirche und Turmgebäude erkennbar gewesen. Welche schwerwiegenden Gründe die Landesherrschaft, dazu bewogen haben mögen, das alte Dorf aufzugeben, läßt sich heute nicht einmal mehr feststellen.
         Weniger unklar als die Entstehung des Dorfes ist die Erklärung des Namens. Als älteste Namensgebung ist uns aus dem 14. Jahrhundert die Urkundenform „dorp to der Scepouwe“ (1358) überliefert. Im Althochdeutschen bezeichnet „ouwe“ das Wasser oder das wasserreiche Wiesenland (die Aue). Rundlingsdörfer mit den Endungen -au, -berg, und andere wendisch (slawisch) klingende Namen finden sich in zwei Siedlungsinseln bei Wendeburg und am Rieseberg (Scheppau, Rieseberg, Rotenkamp, Wendezelle). Die Höfe sind hufeisenförmig angelegt, die Zufahrt zeigt häufig zum Ackerland. Im 14. Jahrhundert gehörte das Dorf zum Bann (Kirchenkreis) Lucklum. Herzog Magnus I. von Braunschweig (1318 bis 1344) verpfändete es 1344 an Lippold von Stembeke und Ulrich von Sunstedt, 1358 fiel es an Bürger der Stadt Braunschweig, 1368 an die von Honlege (Hondelage) und von Saldern. Um 1381 hatte die Stadt Braunschweig finanziellen Anteil, später gehörte das Dorf ganz der Stadt. Der Rat gab es allerdings 1384 an die von Hondelage zurück, denen es anscheinend gewaltsam genommen worden war. Lange aber hat es dieses Geschlecht nicht besessen, denn schon im Jahre 1399 gibt es Herzog Friedrich (1374 bis 1400) an Heinrich von Veltheim. 1381-1384 war die Stadt Braunschweig an der Pfandschaft beteiligt, 1490 ist es herzogliches Lehen derer von Garssenbüttel, die es bis zu ihrem Aussterben des Geschlechts im Jahre 1625 besitzen. Deren Nachfolger, die von Kißleben, hielten es bis zum Aussterben des Geschlechts 1782 als Lehen und es zusammen mit dem adeligen Gut aber weiter verlehnt.

    Das Rittergut. Über der aus Eichenbohlen bestehenden Haustür des alten Gutshauses steht die Jahreszahl 1577, offenbar das Jahr der Erbauung. Es handelt sich um das einzige Gebäude, das den 30 jährigen Krieg überdauert hat, und das  früher von Wasser umgeben war. Im Volksmund heißt es noch heute “die Burg“. Der Wiederaufbau des Dorfes erfolgt dann nicht wieder an der oben erwähnten „Dorfstelle“, sondern in unmittelbarem Anschluss daran in Form eines Rundlings. Hieraus ergibt sich, dass wohl auch das frühere Dorf Scheppau eine Siedlung in Form eines Rundlings darstellte. Nach einer Urkunde vom Jahre 1625 wurde das Rittergut „Scheppau“ von seiner Durchlaucht Herzog Ernst zu Zelle an den Junker Andreas von Kisleben zu Lehen gegeben. Von nun an war Herzog zu Zelle Schutzpatron der Kirche. 1936 wurde die alte Burg auf dem Rittergut im Auftrage des Herren Leveloh wegen Baufälligkeit abgerissen. Im Frühjahr 1939 wurde aus den Kellersteinen der Burg die Gutsmauer erstellt. Die vorhandenen Steine aus dem Abriss reichten allerdings nur bis zur Einfahrt. Für die restliche Mauer wurden Steine aus dem Elm, Forst Bornum, aus großen Blöcken gebrochen und direkt in Scheppau an Ort und Stelle behauen und verarbeitet. Die beiden Köpfe der Toreinfahrt (Kugeln) stammen aus dem Velpker Steinbruch.
     Damals übte der Inhaber des adeligen Gutes die niedere Gerichtsbarkeit im Dorfe aus; die über die Feldmark und im Lehrer Wohld sowie die obere Gerichtsbarkeit lag beim fürstlichen Amte Campen, das zuerst lüneburgisch war und im Jahre 1706 zum Fürstentum Wolfenbüttel kam. Welch große Bedeutung das Gericht Campen um 1413-1420 gehabt haben muss, zeigt seine Ausdehnung über die Dörfer Abbenrode, Beienrode, Boimsdorf, Brunsrode, Dibbesdorf, Flechtdorf, Gardessen, Hondelage Hordorf, Lehre, Rotenkamp, Rühme, Schandelah, Schapen, Scheppau, Scheverlinge, Walle, Thune, Volkmarode, Weddel, Wenden und Wendhausen zeitweilig auch Glentorf, Gliesmarode und Querum.

    Kirche St. Nikolai. Die Steine der Scheppauer Kirche erzählen  eine wechselvolle Geschichte: Der Junker Heinrich v. Garssenbüttel und seine Frau Abel v. Adrum, vermutlich Nachfahren der Gründer der Kirche, sind hier verewigt.Vermutlich ließen die in Scheppau ansässigen Gutsherren „die von Garssenbüttel“ die Kirche im Mittelalter erbauen. Das Kirchenbuch von 1658 berichtet von zwei Bränden, 1581 und 1591; der letztere vernichtete große Teile des Kirchenbaus. Mit Hilfe des Gutsherren und der Gemeinde wurden die beschädigten Gebäudeteile wieder aufgebaut.  Das Dachwerk des Chors und des Schiffs, stammen aus dieser Zeit. Der Fachwerkturm, ein Beispiel barocker Architektur, wurde zunächst 1684 erbaut. Die Dorfbewohner steuerten das Bauholz bei, das in großer Menge benötigt wurde. Die Bauakten belegen, dass sich auf dem Turm bis zum Ende des 18. Jahrhunderts auch ein barocker Helm befunden hat. Wegen Baufälligkeit wurde dieser 1791 abgenommen und der Turm in der jetzigen Form ausgebaut.

Die Scheppauer Gemeinde ist immer recht arm gewesen und konnte sich keinen größeren Bestand an wertvollen Gegenständen leisten. Daher wurden Dinge verkauft, die sich als unpraktisch, unnütz oder auch als unschön erwiesen hatten, um neue anzuschaffen. 1825 beschreibt der Pastor, dass Zinnvasen, ein Kelch aus Zinn mit dazugehörigem Teller und ein Messingkronleuchter unbrauchbar geworden sind und verkauft werden sollen. Dafür möchte er einen neuen Kanzelbehang, einen einfachen silbernen Kelch mit Teller und einen Altarleuchter anschaffen. Der silberne vergoldete Abendmahlskelch, der heute noch in Besitz der Kirche ist, hat die Jahrhunderte gut überstanden. Er stammt aus dem 14. Jahrhundert. 1697 wurde beim Uhrmachermeister Paul Knie in Braunschweig für 40 Thaler eine Uhr gekauft, die nach mehrfacher Reparatur aufgegeben werden musste. Im Februar 1868 hieß es „die Gemeinde Scheppau beabsichtigt aus den Mitteln der Gemeindekasse eine neue Dorfuhr anzuschaffen.“ Diese ist heute noch noch am Kirchturm zu bewundern. Was sie besonders macht: sie hat nur nur einem Zeiger! 
       Der Altar, der über 100 Jahre unter der Kanzelaltarwand versteckt war und 1954 beim ihrem Abriss wiederentdeckt wurde, stammt aus alten Zeiten. 1954 wurde er von Grund auf restauriert und er steht heute an seinem alten Platz im Chor. Den Grundsätzen des Konsistoriums vom 11.4.1863 zufolge sollte die Kanzel „ weder vor noch hinter oder über dem Altar, noch überhaupt im Chor stehen. Ihre richtige Stellung ist da, wo Chor und Schiff zusammenstoßen“. Hundert Jahre sollten vergehen, bis die Grundsätze in der Scheppauer Kirche umgesetzt wurden: 1954 wurde die Wand abgerissen und das Kircheninnere weiß vermalt.
         Das heutige Gemeindehaus, das früher mit dem Pfarrhaus verbunden und ein Stall gewesen war, hat bis heute sehr unterschiedliche Nutzungen erfahren: 1942 wurde dort für die Sommermonate ein Kindergarten eingerichtet, dann diente es als „Herberge“ für Flüchtlinge aus Ostpreußen. Im Dezember 1942 werden Kirche und kirchliches Leben von dem Krieg geprägt: Die Bronzeglocke, alte Kirchenfahnen und Akten müssen abgeliefert werden, es fehlt an Abendmahlswein und Oblaten und auch Kerzen, Katechismen, Bücher und Schreibpapier sind knapp.

    Die Fliegerangriffe auf Braunschweig häufen sich:im Juli ‘43 und im Januar ‘44 werden zwe nach Scheppau evakuiert. Am 12. April 1945  berichtet Pastor Dony in der Chronik der Kirchengemeinde: „Die Amerikaner besetzen unsere Dörfer. Schule beschlagnahmt; auch das Rittergut. 13. April: Waffenablieferung.“ Der Krieg ist vorbei. In der Geschichte Scheppaus gab es wohl keine Epoche, die so turbulent war, wie die Nachkriegszeit: eine große Flut von Heimatvertriebenen aus Schlesien, Ostpreußen, Pommern und aus dem Sudetenland wurde in Scheppau aufgenommen.

 

Krühgarten
Ehemaliger Park des bischöflichen Schlosses Schladen, vor dem Gemüsegarten der Burg Schladen

SCHLADEN wird urkundlich erstrmals 1154 als "Scladheim" (Siedlung im Sumpf) erwähnt. Der alte Dorfkern war durch einen Doppelgraben geschützt, die Ostgrenze bildete das Flüsschen Wedde. Die Geschichte Schladens ist eng mit der ottonischen Pfalz Werla verbunden: hier lag ihr Versorgungshof, der Vorläufer der heutigen Domäne. So wie die Pfalz, verfiel auch diese Anlage. Erst der Bischof Udo von Hildesheim baute sie zur Burg aus und stellte dafür einen Vogt ein. Das war Eiko von Dorstadt, der sich den Namen “von Schladen” gab. Die Burg blieb bis 1353 im Besitz der Grafen von Schladen, gelangte nach wechselvoller Geschichte, zusammen mit dem Dorf, von 1523 bis 1643 in den Besitz der Wolfenbüttler Herzöge und fiel später an den Bischof von Hildesheim zurück. Nach dem großen Brand von 1699 wurde auf dem Gelände 1728 die katholische Kirche erbaut. Im ausgehenden 18. Jahrhundert erhielt die Domäne einen Park, Gartenanlagen und eine Schäferei.
         1803 fiel Schladen durch Reichsdeputationshauptschluss gemeinsam mit dem Stift Hildesheim an Preußen, 1885 gelangte es zum Kreis Goslar. Bei der Gebietsreform 1974 wurden die Dörfer Wehre, Beuchte und Isingerode eingemeindet, gleichzeitig wurde Schladen im Austausch gegen Bad Harzburg dem Landkreis Wolfenbüttel zugeordnet. Zusammen mit den Ortsteilen Stadt Hornburg, Gielde und Werlaburgdorf entstand die Samtgemeinde Schladen. Der 1750 erbaute große Schafstall der Domäne beherbergt heute die Samtgemeindeverwaltung, das Dorfgemeinschaftshaus und das Schützenhaus. Im Heimathaus “Alte Mühle” findet der Besucher Grabungsfunde der Pfalz, darunter deren “Heißluftsteine”, Vorläufer einer Zentralheizung. Ein Auslass-Stein aus Muschelkalk wurde 1939 bei Ausgrabungen im südlichen Bereich der Hauptburg gefunden; er diente wohl der Temperatur-Regulierung.
         Im Bocla, der alten Gerichtsstätte von Immenrode (dem heutigen "Buchladen") erblickte 1784 der wohl berühmteste Schladener, Franz Leopold von Klenze, das Licht der Welt. Er stieg später zum  Hofbaumeister König Ludwigs I. von Bayern auf, wurde geadelt, und war einer der bedeutendsten Architekten des Klassizismus (Glyptothek, Propyläen, Alte Pinakothek ). 1839 setzte er sich für den Erhalt der Athener Akropolis ein. Als “Mann von Welt” hat er wohl seinen kleinen Geburtsort immer verschwiegen. 
ANSICHT

 

Heimathaus "Alte Mühle", seit 25 Jahren untergebracht im 300 Jahre alten Fachwerkbau. Geöffnet am 1. Sonntag im Monat, 15-17:00 Anfragen: Peter Brandes (05335) 6226, Christel Hotop  805332) 1247, Heimathaus (05335) 275; sehr empfehlenswerte Sammlungen zur Königspfalz Werla, archäologischen Ausstellung mit 6000 bis 7000 Jahren alten Fundstücken aus der näheren Umgebung, “Gute Stube”, Ausstellung  zum Schaffen von Leo von Klenze und zur Ortsgeschichte.

 

 

 

 

 

  SCHLANSTEDT

 

 

 

 

Schliestedt: SchlossSCHLIESTEDT Am Ostrand der Schöppensteder Mulde gelegen befindet sich Schliestedt in einem geologisch aufschlussreichen Gebiet in dem fossilreiches Juragestein zutage tritt. Der Ort wird 996 urkundlich als Slistide genannt, die späteren Urkunden gelten heute als Fälschungen. Um 1150 schrieb man Sclistede, um 1300 Slizstede (mundartlich: Slistidde).

    In der Stiftungsurkunde des hildesheimischen Michaelisklosters vom Jahre 1022 ist ein Ort Comitatu Luidolfi im Darlingau Selzstide, benannt. Ohne Zweifel ist damit die Burg Schliestedt gemeint, welche auf einem Felsen oberhalb des jetzigen Dorfes und neugebaueten Rittergutes über dem Burgthale im Osten der Stadt Scheppenstedt liegt. Sie war noch 1402 vorhanden.Wanmehr die v. Dahlen aus dem Besitze von der Sclistedeburg gekommen sind, ist mir nicht bekannt geworden. Sie kam an die v. Wulfen. Unter welchem Titel, ist nicht zu erforschen geweesen; auch nicht, wie sie ihnen verloren ging. Der Herzog Heinrich der Jüngere gab sie seinem vielvermögenden Canzler, Dr. König, ob als Lehn oder Erbe, ist nicht angegeben. Ob die v. Schliestedt ihre Stammburg von dem Landesherren als Lehn empfingen, oder nicht, liegt im Dunkeln. Nach den älteren Lehnregistern war Jordan von Schliestedt von dem Herzoge Heinrich dem Aelteren nur mit einem wüsten Hofe in Ingelen belehnt. Dessen Sohn verpfändete 1562 das Dorf Schliestedt dem Statthalter Anton v. d. Streithorst und empfing es darauf als Lehn. Seine Nachkommen gerieten in Schulden. Von dem ausgestorbenen Geschlechte der v. Schliestedt, kommen einige als Schenkgeber und Zeugen aus dem 13ten Jahrh. vor. Ein Heinrich v. S. wohnte 1427 noch in Schöningen.
    Nach “Geschichten der Städte Seesen und Scheppenstedt” - Beitrag zu der Geschichte der Ausbildung Städtischer Verfassungen im Herzugthum Braunschweig; Karl Berge, Herzogl. Braunschweig. Lüneburg. pens. Kreisrichter. Wolfenbüttel 1846, Verlag der Hole´schen Buch-, Kunst- und  Musikalienhandlung

Als ersten Besitzer der alten Burg Slistedeburg  weist die Chronik für das Jahr 1147 Ludolf von Sliztide aus. Nach dem endgültigen Zerfall der Anlage wird eine zweite Burg errichtet - vermutlich eine Wasserburg. 1654 schrieb Merian ”...es ist ein ziemlich altes Haus, im Quadrat gebaut und mit einem Wassergraben umgeben”. Noch 1754 wird ein Wohngebäude “der Burg Frieden” beschrieben. Reste werden bei Grabungen 1902 und 1930 freigelegt. Im Jahre 1999 wird bei Bauarbeiten auf dem Kreisaltenheim-Gelände in Schliestedt, links der Brücke zum Portal, ein Mauerrest aus behauenem Naturstein freigelegt, der von der alten Burgmauer stammen könnte. Diese These wird durch zwei weitere Entdeckungen gestützt, die bereits während der Sanierungsarbeiten des Schlosses gemacht wurden: Zum einen wurde vor einigen Jahren beim Umbau des Langhauses ein Tunnel gefunden, der im Zusammenhang mit der alten Burganlage stehen könnte, zum anderen stieß man beim Verlegen der Versorgungsleitungen  vor  dem Schloss auf massive Abdichtungen nach unten, wie sie typisch für Burggräben sind. Damit könnte der wiederentdeckte Mauerrest aus dem 12. Jahrhundert stammen.

    Von der mittelalterlichen Burg Schliestedt (Slizstide), die sich im „Burgtal“ nördlich des Dorfes auf einem langgezogenen Sandsteinrücken befand, sind kaum noch Spuren vorhanden, jedoch zeugen uralte Hainbuchen und das zerklüftete Gelände vom ehemaligen Standort der alten Burganlage. Als im 14. Jahrhundert die Burg zerfallen war und die Ruine als Räuberschlupfwinkel diente, brachte dies Schliestedt den Ruf eines „argen Raubnestes“ ein. Später wurde im Ort eine neue Burg, vermutlich eine Wasserburg, errichtet. Auch die heutige mittelalterliche Pfarrkirche hatte eine Vorgängerin nahe der Burg, die 1234 so genannte “Capelle”

Heinrich Bernhard Schrader (1706-1773) kaufte das Dorf und die Burg im Auftrage Carls I. für 36500 Thaler von den Streithorstschen Erben.Procul Negotiis- fernab von den Geschäften - unter diesem Leitspruch ließ er im Jahre 1760 an der Stelle der alten Burg das heute als Alten- und Pflegeheim genutzte Renaissanceschloss als Landsitz errichten. Dabei handelt sich vermutlich um ein Werk von Martin Peltier (1744-1769), möglicherweise  auch von Georg Chr. Sturm - es hat im Wolfenbüttler Gebiet die stärkste Rokokoausbildung. Der Prunksaal ist mit herrlichen Stuckarbeiten und Gemälden von Joseph Gregor Winck ausgestattet (“die vier Jahreszeiten”). Als herzoglicher Hofrat nahm Schrader mit kaiserlicher Erlaubnis den Namen der 1613 ausgestorbenen Familie von Schliestedt an und erwarb 1749 auch Küblingen. In beide Dörfern folgte er privat ähnlichen Zielen wie in öffentlicher Funktion als “Commissarius zur Verbesserung des Commercienwesens”. So legte er auf Gut Küblingen eine Zeugfabrik und in Schliestedt das langgestreckte “große Fabriquenhaus” an der Schloss-straße an. Im Fabriquenhaus wurde die Zucht von Seidenraupen und Leineweberei an 250 Webstühlen betrieben. Wie das Schloss und das Fabriquenhaus geht auch das 1755 errichtetet Pfarrhaus auf Schrader zurück. 1773 übergab v. Schrader das Schloss an die Familie von Bülow, 1827-1836 wurde das Anwesen von Familie Seeliger gepachtet und 1836 durch Familie von Schwicheldt erworben. 1939-1945 war hier die Staatsmusikschule Braunschweig untergebracht, dann (1945) kaufte (und verkaufte) es die Gräfin von Looz-Corswarden. 1950 ging es an den Landkreis Wolfenbüttel, dem es zunächst als Flüchtlingsheim, dann als Altenheim diente. Im Januar 1996 ging es in private Trägerschft über und bietet derzeit 118 Bewohnern eine Unterkunft.
Nachdruck am 30.08.2006 sowie am 13.05.2007 im “Wolfenbüttler Schaufenster”

 

Michael Bennig: Schloss Schoeningen

Schöningen: Tagebau

 

SCHÖNINGEN Das Gebiet um Schöningen, am Osthang des Elms, war schon in der Altsteinzeit besiedelt. Am Rande des Braunkohlentagebaus  wurden seit 1995 die 400 000 Jahre alten Schöninger Speere (http://www.schoeningerspeere.de) gefunden. Damit sind diese altsteinzeitlichen Wurfgeräte die ältesten vollständig erhaltenen Jagdwaffen überhaupt. Sie belegen eindeutig, dass der Mensch schon zu dieser Zeit Großwildjagd betrieben hat.
           Für die Stadt, die wegen ihrer erstmals 983 erwähnten Salzvorkommen besondere Bedeutung erlangte, ist eine durchgehende Besiedlung etwa seit Christi Geburt nachweisbar. Sie war in karolingischer Zeit Königshof und gilt als der älteste Ort im ehemaligen Herzogtum Braunschweig. 747 lagert Pippin III., Vater Karl des Großen, bei Schöningen. Im folgenden Jahr kommt es zur ersten urkundlichen Erwähnung in einem Schriftstück, in dem “Scahaningi” im Zusammenhang mit dem Kriegszug des Frankenkönigs erwähnt wird.
           Nach den Kriegszügen von Pippin dem Kurzen und Karl dem Großen, hat auch Kaiser Otto III in den Jahren 994 und 995 dort mehrmals Hollager gehalten. Dessen Kanzler Erzbischof Willigis von Mainz soll in Schöningen geboren worden sein.
         Stolze Adelsgeschlechter hatten am Elmrand ihren Sitz und im 13. Jahrhundert wurde dem Deutsch-Ritter-Orden die Elmsburg übertragen. Die vornehmsten von ihnen, die Edelherren von Warberg, waren reichsunmittelbar und nur dem König untertan. Als das Geschlecht in Fehden verarmte, trug es seine Besitztümer den Welfen zum Lehen auf, nachdem diese bereits nach 1347 in Schöningen eine gewaltige Befestigung zum Schutz ihrer östlichen Landesgrenze angelegt hatten. Die Welfenherzöge kamen oft von ihrer Residenz in Wolfenbüttel zur Jagd. Einmal, so ist überliefert, zogen sie mit 3000 Treibern in den Elm. Zur Schlossgeschichte nur soviel: Welfenherzog Magnus baute hier um 1350 eine Burg, die Schaden nahm, als der Schmalkaldische Bund gegen Herzog Heinrich d.J. in einen Religionskrieg zog. Später errichteten die Welfenherzöge hier, an der Ostgrenze ihres Territoriums, ein Schloss, das bald zum Witwensitz avancierte. Von 1568 bis 1659 residierten dort drei Herzoginnen, die die Anlage zu einem großartigen vierflügeligen Komplex im Renaissancestil ausbauten; Herzogin Anne-Sophie, geb. Prinzessin von Brandenburg wohnte hier und richtete die Lateinschule am Markt ein. Die Schlossanlage gehörte zu den prunkvollsten Gebäuden, die einst den Elm umgaben, verlor aber nach wechselhafter Nutzung als Scheune, Stallung und Wohnhaus ihren Charakter. Das 1911 erbaute Pächterhaus der Schlossdomäne wird 1911 von der Stadt erworben. Nach umfassender Restaurierung steht die gesamte Anlage seit einigen Jahren als Kulturzentrum für vielfältige Veranstaltungen zur Verfügung. Neben dem Schloss zeugen heute noch die Stadtkirche St. Vinzenz und das klassizistische Rathaus von der Bedeutung der Stadt, die bereits im 14. Jahrhundert Stadtrechte besaß.
         Schöningen war Knotenpunkt der Linien Sudenburg-S. der Preußischen und Jerxheim-Helmstädt der Braunschweigischen Staatsbahn. Wirtschaftliche Bedeutung erlangte es durch eine große chemische Fabrik, ein Weißfarbewerk, Dampfziegeleien, Vitriolsiederei, Maschinen- und Dampfkesselfabrikation, durch seine Braunkohlengrube und durch seine Saline mit Solbad. Am 19. Juni 1968 gibt die Norddeutsche Salinen GmbH Stade bekannt, dass die Saline Schöningen am 01. Juli 1970 aufhört zu bestehen. Am 31. August 1970 wird die mehr als 1200 Jahre alte Anlage wohl für immer geschlossen.

- Sehenswürdigkeiten

  • Das Schloss wurde von Herzog Magnus um 1350 als Grenzbefestigung gegen die Bistümer Magdeburg und Halberstadt als eine im wesentlichen quadratische, von einem Wall umgebene Anlage gegründet. Seine größte Bedeutung erlangte das Schloss zwischen 1568 und 1658, als es als Leibgedinge von drei Braunschweiger Herzoginnen während ihrer Witwenschaft bewohnt wurde:
    1568 bis 1575 Sophie von Polen, Gemahlin Herzog Heinrich 11 des Jüngeren, Schwester des polnischen Königs Sigismund 11., 1613 bis 1626 Elisabeth von Dänemark, Schwester des Dänenkönigs Christian IV., der 1626 im 30jährigen Krieg von Tilly bei Lutter am Barenberge vernichtend geschlagen wurde und Mutter des „tollen" Christian von Halberstadt. Beide ließen die Schlossanlage erheblich umbauen.
    1628-59 Herzogin Anna-Sophie, geb. Prinzessin von Brandenburg, zieht während des 30-jährigen Krieges in das Schloss nachdem sie sich 1623 von ihrem Gemahl Friedrich Ulrich (gestorben 1634) getrennt hat. Dank ihrer guten Beziehungen zu den Kriegsparteien  gelingt es ihr, Schöningen und die umgebende Region (Wittum) von den Belastungen des Krieges weitestgehend fernzuhalten. Sie wird als Wohltäterin und Gründerin der Lateinschule (heutiges Heimatmuseum) in Erinnerung bleiben.
    1661 erfolgt die Entfestung des Schlosses und Abriss des Zeughauses durch Herzog August.
    1679-83 wohnt hier Anna-Sophie, 2.„ Tochter Herzog Anton Ulrichs von Braunschweig. verheiratet mit Markgraf Karl Gustav von Baden-Durlach.
    Das Schloss diente danach als Amtssitz, als Landesbefestigung und später bis 1970 als Domäne. Die teilweise verfallenen Anlagen wurden ab 1978 von der Stadt Schöningen aufgekauft und im Bemühen, die bauhistorische Substanz zu erhalten, ihrer heutigen Verwendung zugeführt. Der Palas, der die fürstlichen Wohngemächer und die Amtsverwaltung enthielt, dient jetzt als Fest-, Theater- und Musiksaal und für Gesellschaftsfeiern. Der West-Schlosshof-Flügel, „Gärtnerhaus" genannt, enthält Garderoben und Nebenräume des Jugendfreizeitzentrums. Im Nordflügel, dem „Pferdestall", befindet sich das 1984 eröffnete Jugendfreizeitzentrum der Stadt sowie der Herzoginnen- und der Knappensaal , die für gesellschaftliche und kulturelle Veranstaltungen genutzt werden.
    Das 1911 errichtete Pächterhaus im Ostflügel diente bis 1970 als Wohnsitz des Domänenpächters. Heute enthält es die Schlossgaststätte mit Seminarräumen. der "graue Turm" in der Südostecke birgt im 1. Obergeschoss die Turmkapelle mit Sterngewölbe. Die Kapelle dient heute als feierlicher Empfangsraum und vor allem als Trauzimmer.
  • Schöningen St. LorenzKlosteranlagen St. Lorenz. Schon von weither grüßen die Türme von St. Lorenz. Sie liegen ungewohnterweise im Osten der Kirche. Begründer des Klosters war der Bischof Reinhard von Halberstadt.  1120 erhielt Thietmar den Auftrag, das seit 983 in Schöningen (Ostendorf) bestehende Benediktiner-Nonnenkloster in ein Augustiner-Mannskloster umzuwandeln. Die Räumlichkeiten des alten Nonnenklosters waren für die Mönche nicht ausreichend und auch ungeeignet. So wurde der Auftrag erteilt, im oberen Teil Schöningens ein geeignetes neues Kloster zu errichten, das dem Heiligen Lorenz geweiht war. Der als flachgedeckte begonnene Bau wurde schon Ende des 12. Jahrhunderts im Chor mit einem Kreuzgewölbe versehen, wobei sich das große Vorbild der kaiserlichen Stiftskirche in Königslutter bemerkbar machte. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde der Hauptbau völlig zerstört, in der zweiten des 15. Jahrhunderts entstand als bescheidene Notlösung eine behelfsmäßige Ergänzung im gotischen Stil. Zu dieser Zeit haben die beiden romanischen Osttürme ihre gotischen Spitzen erhalten, wobei jedoch der südliche - der „Lange" genannt - wesentlich höher war, wie es der Merianstich bestätigt. Hier schlug 1690 ein kalter Blitz ein und spaltete den Turm bis auf 13m. Über ein Menschenalter verging, bis der Schaden behoben wurde.
  • Von dem auf der Nordseite gelegenen Kreuzgang ist nur ein bescheidener Rest erhalten geblieben. In einem an das nördliche Querschiff anschließenden Gang sieht man noch rot-schwarz gemalte Ranken, einen romanischen Bogen, der auf die westlich anschließende Fortsetzung hinweist, und zwei gotische Portale, die in das Östliche Wirtschaftsgebäude führen Die soziale Not im Mittelalter führten zu großen Verlusten, so dass weder die notwendigen Mittel zur Instandsetzung und Erhaltung der Kirche und des Klosters, noch genügend Geistliche vorhanden waren. Als am 16. Oktober 1542 Braunschweigs großer Reformator Bugenhagen in Schöningen weilte, um das Kloster in die Verwaltung der neuen Lehre zu übernehmen, waren außer dem Propst nur noch ein Mönch und einige Laienbrüder zugegen; alle übrigen waren nach Hamersleben geflüchtet. Der alte Propst lieferte Briefe und Siegel aus, während das Kloster mit seinen Gütern in staatliche Verwaltung kam. Die offizielle Säkularisation erfolgte 1648 unter Aufsicht der Klosterstube.

    Seit vielen Jahren sind auf dem Areal Mitarbeiter vom Institut für Denkmalpflege in Hannover mit Kratzer und Pinsel auf Spurensuche. Die Archäologen wollen den historischen Grund erforschen und vor allem die Reste des Nord- und Westkreuzganges aufspüren. Wenige Spatenstiche reichten aus, um die Fachwelt aufhorchen zu lassen: Eine 2,4 Meter breite Kaiksteinmauer zieht sich an dem heutigen Langschiff der Kirche entlang. Diese Mauer stammt eindeutig aus vorromanischer Zeit. Für ein Bauwerk dieser Dimension kommt eigentlich nur ein Wehrturm als Vorgänger der romanischen Kirche in Frage. Und somit weckt die Mauer in Deutschland bauhistorisches Interesse. Seit Jahrzehnten wird in Schöningen die karolingische Pfalz vermutet, der Vorposten gegen die Slawen im Osten im 8. Jahrhundert. Der Mauerfund von St.Lorenz gab den Spekulationen neue Nahrung, dass die sogenannte „curia" jetzt gefunden sei.

    Schöningen: Heimatmuseum

    Anna-Sophineum

    Schöninger Speere

    Erkenntnisse erhoffen sich vor allem die Einwohner Schöningens über eine andere Theorie. Die St. Lorenz-Kirche ist von der Apsis bis zur Vierung im romanischen Stil erhalten. Daran schließt sich ein einschiffiges Langhaus als Ersatzbau in spätgotischer Form an. Spekulation bleibt, ob das einstige Hauptschiff einer Brandkatastrophe zum Opfer gefallen ist oder ob statische Probleme durch sackenden Boden das Hauptschiff zum Einsturz brachte. “Museumsmeile”:  drei Ausstellungen befinden sich in unmittelbarer Nähe des Schjöniger Schlosses:

  • Das städtische Heimatmuseum Schöningen, Markt 33, das im Herbst 1981 im 1593 errichteten Renaissancegebäude der alten Lateinschule “Anna-Sophianeum” wiedereröffnet wurde, gibt einen guten Überblick über die Entwicklung dieses Raumes seit der Vorgeschichte. Öffnungszeiten: Mittwoch von 15-17 Uhr und Sonntag von 10:30-12:30 Uhr. Tel. (05352)505
  • Die Ausstellung “Schöninger Speere” ist mittwochs von 14-17:00, samstags und sonntags von 10-16:00 im alten Gefängnis am Burgplatz zu sehen. Die Speere selbst sind inzwischen allerdings nach Hannover ausgewandert. Tel. (05352)512189
  • Das Seilermuseum im Schloss-Torhaus Im Oktober 2004 öffnete im renovierten Torhaus ein Museum, das seine Existenz der Initiative eines Mannes verdankt: dem Schöninger Seilermeister Walter Lutze. Seit Jakob Danzfuss 1806 das Grundstück Niedernstraße 6 erwarb, befand sich das Seilerhandwerk in den Händen einer Familie. Ein Abkömmling der Famile, Marie ehelichte 1868 den Seilermeister August Wengler aus Praußnitz. Tochter Marie Wengler wiederum heiratete 1927 den aus Küstrin stammenden Seilermeister Walter Lutze, dessen Familie ebenfalls auf drei Generationen des Seilerhandwerks zurückblickte. Nacheinander wurden Geschäfte auf den Grundstücken Niedernstraße 21 und 38 gegründet - letzteres schloss 1991 seine Pforten.
  • Das Seilermuseum ist ein lebendiges Museum, in dem man selbst handwerken kann. Zu sehen sind eine alte Spinn- und Schnürmaschine aus dem 18. Jahrhundert, eine Hechelbank, Kammgeschirr, Seilgeschirr mit Handkurbel, Seile (darunter ein riesiges Manilan-Transmissionsseil aus der Zuckerfabrik Söllingen), Netze und zahlreiche Fotos. Öffnungszeiten: Sa und So von 10:30-12:30, Mi von 15-17:00, überlappend mit der Speere-Ausstellung im benachbarten, ehemaligen Gefängnis. 

     

- Schöninger Tagebau

Die Braunschweigische Kohlen-Bergwerke AG (BKB) wurde 1873 mit dem Ziel gegründet, die Braunkohlenvorkommen des Helmstedter Reviers zu erschließen. Planungen für den Aufschluss des Tagebaus Schöningen begannen nach der ersten Ölkrise 1974. Der rund 470 Hektar große die Landesstraße 640 in ein Nord- und ein Südfeld geteilt. Das Nordfeld wurde 1979 erschlossen Bis 1996 förderte die BRAUNSCHWEIGISCHE KOHLEN-BERGWERKE AG (BKB) hier 86 Mio. Tonnen Abraum und 15 Mio. Tonnen Braunkohle, die im Kraftwerk Buschhaus zur Stromerzeugung eingesetztt wurden. Daneben ist das Unternehmen auch im Bereich Entsorgung tätig. Seit 1996 verfüllt die BKB das Nordfeld mit Abraum aus dem Südfeld des Tagebaus Schöningen. Voraussichtlich im Jahr 2017 werden die wirtschaftlich gewinnbaren Kohlevorräte im Helmstedter Revier erschöpft sein.

1873   Gründung, BKB
1874   Aufschluss des ersten Tagebaus (Trendelbusch)
1909   Bau des Kraftwerks Harbke
1949   Gründung der Wohnungsbaugesellschaft niedersächsischer Braunkohlenwerke (WBG)
1952   Grenzschließung durch die DDR - die BKB verliert u.a. ein Kraftwerk und einen Tagebau
1954   Inbetriebnahme Kraftwerk Offleben .
1973   Aufschluss Tagebau Helmstedt (Förderung bis 2002)
1979   Aufschluss Tagebau Schöningen (Förderung bis 2017)
1985   Inbetriebnahme des Kraftwerks Buschhaus
1994   Inbetriebnahme von Kompostwerk und Bauschutt-Recycinganlage
1996   Beteiligungserwerb am Entsorgungszentrum Salzgitter
1997   Beginn der Mitverbrennung von alternativen Brennstoffen (Klärschlamm etc.) im Kraftwerk Buschhaus
1998   Gründung des Call Centers Invite
1999   Inbetriebnahme einer Deponie für mineralische Massenabfalle (Norgam)
1999   Inbetriebnahme der Thermischen Restabfallvorbehandlungsanlage Buschhaus (TRV)
 

 ANSICHTEN  

-Was ist los in Schöningen?

Das großzügige Badezentrum Negenborn mit einem 50 m Wettkampfbecken, 115 m Riesenrutsche, Whirlpool, Sauna und Liegewiese im Sommer ist Anziehungspunkt für viele Besucher der Landkreise Helmstedt, Wolfenbüttel sowie aus Sachsen-Anhalt. 20 Autominuten von Schöppenstedt!                            

 

SCHULENRODE Mit seinen 325 Einwohnern ist dieser Ort zwischen zwischen Destedt und Cremlingen der kleinste in der Einheitsgemeinde. Umrahmt wird er durch die Veltheimer Ohe, ein ausgedehntes Waldstück. In einer Lehnsurkunde von 1265 wird "Sculenrode" erstmals erwähnt. Der Name deutet auf eine Ortsgründung in der Rodungsperiode des frühen Mittelalters. Der Dorfkern wird durch den Lindenberg mit seinem uralten Baumbestand geprägt. Unter Denkmalschutz steht der sorfältig restaurierte Curlandsche Hof. Das Gutsgebäude geht auf 1724 zurück und ist das älteste Haus am Ort. Aus das 15. Jahrhundert stammt die Kirche "St. Georg" mit ihrem eindrucksvollen Schnitzaltar. Frühmittelalterliche Rankenmalereien im Chorraum sind ebenso sehenswert wie der Taufstein aus dem 17. Jahrhundert. Auf das Jahr 1772 geht die erste Kartendarstellung zurück, 1807 endet die Zugehörigkeit zum adeligen Gericht in Destedt.
         Das Wappen von 1989 deutet mit seinem silbernen Baumstumpf auf den Ursprung als "Rodedorf" hin. Der obere Teil zeigt einen Lindenzweig als Hinweis auf den Lindenberg und den Bestand an uralten Bäumen (Lindenblatt und Lindenbaum waren als Symbole bereits an Weddel und Bornum vergeben).

SEINSTEDT , seit der Gebietsreform 1974 Ortsteil der Gemeinde Achim, wird 996 erstmals als “Sianstidi” erwähnt als sein damligen Ortsherr, Bischof Bernward von Hildesheim seinen Grundbesitz der Kreuzkapelle zu Hildesheim schenkt. 1266 ist der Name “Zenstide” belegt, 1382 heißt der Ort “Seenstede”, 1452 “Seynstidde bey Horneborch”. Erst 1539 taucht dfer heute gebräuchliche Name auf. Ein besonderes geschichtliches Ereignis ist 1181 die Sammlung der Truppen Friedrich Barbarossas gegen Heinrich den Löwen um Hornburg und Seinstedt.

SEMMENSTEDT Aufgrund des fruchtbaren Bodens, der Lage an einer alten Handelsstraße (der heutigen B 79) und der Nähe zu einem früheren Handes- und Siedlungsplatz (dem Heeseberg) die Südhänge von Oderwald, Asse und Elm ist die Region um Semmenstedt seit dem Beginn der Jungsteinzeit (5500 v. Chr.) ein bevorzugtes Siedlungsgebiet. Die Remlingen und die Funde am Heeseberg belegen vorchristliche bäuerliche Kulturen. Die erste Erwähnung als "Zemmenstide" im Hildesheimer urkundenbuch geht auf das Jahr 1022 zurück. 1368 wird außerhalb des Dorfes auf einer Anhöhe,  an der Stelle des heutigen Kirchturms, ein Bergfried erwähnt. Reste romanischer und gotischer Bauelemente weisen auf eine frühe Entstehungszeit hin. Die eigentliche Geschichte der Kirche St. Johannis Batista beginnt mit dem Verkauf des Baus an das Domstift zu Goslar.
       Eine Pestepedemie Mitte des 14. Jahrhunderts und kriegerische Ereignisse während der Reformationszeit und des Dreißigjährigen Krieges haben die Bevölkerung mehrmals dezimiert und die Bauernhöfe zerstört. Bis auf die Kirche sind keine Gebäudereste aus der Zeit vor dem 17. Jahrhundert erhalten.

    Wappen (seit 2005): Das Kreuz hat eine mehrfache Bedeutung. So deutet es darauf hin, dass der Ort vom 11. bis zum 18. Jahrhundert unter der Hoheit des Domstifts Goslar stand, dem Heinrich III.zwischen 1049 und 1057 33 Höfe mit 50 Hufen Land übereignet hatte. Darüber hinaus deutet es auf auf den Sitz einer Superintendentur hin, zu dem auch Achim Börßum, Seinstedt, Groß- und Klein Winnigstedt gehörten. Schließlich wird hier die historische Kreuzung der alten Salzstraße von Goslar nach Schöningen (heute B82) mit der Heerstraße von Braunschweig nach Leipzig (B 79) angesprochen. Die Braunschweiger Landesfarben (Blau-Gelb) verweisen auf die über Jahrhunderte bestehende Zugehörigkeit zum Herzogtum und Land Braunschweig. Die farbliche Teilung in eine linke und rechte Hälfte deutet die in der Gebietsreform erfolgte Zweiteilung des Ortes in das eigentliche Semmenstedt und Timmern an. Semmenstedt ist heute Teil der Samtgemeinde Asse.

 

 

Sickte: Peggau´scher Hof

Erkerode: Pfarrwitwenhaus

 

SICKTE Die Gemarkung mit ihrer merkwürdig langgezogenen Streifenform und Höhen von 82-190m gehört zu den ältesten Siedlungsgebieten der Region. Bereits im Jahre 888 findet sich eine Erwähnung dieses Ortes als “Kikthi”. So verworren dieser Name aussieht, gehört er zu der ältesten Namensschicht. Die Siedlung als solche wird noch älter sein, denn an zwei Stellen sind Reste aus der jüngeren Steinzeit und Eisenzeit aufgedeckt wurden. 1042 schrieb man Sicudi, 1060 Xikthi und Xicthe, 1200 Tsikthe, 1264 Zickede, bis man 1315 die Teilung in Unter- und Ober-Tzicte vornahm. Beide Dörfer gehörten zur Vogtei Evessen.
          Nach und nach entwickelte sich ein aus Niedersickte ein Bauerndorf, dessen Höfe mitteldeutsche Dreiseit- und Hakenhöfe mit Hausformen des Erkeröder Haustyps sind. Das Rittergut wurde 1638 durch Zusammenlegung mehrerer Höfe begründet. Hier sollen nicht die durch Geschlechter, Pächter und Besitzer gehende Geschichten aufgeschlagKarte: Cremlingenen werde, seit ein Dr. Heinrich Schrader, Kanzler Augusts d.J., 1636 Land und Rechte erhielt und letztere so nutzte, dass die zur Fron gezwungenen Bauern den Aufstand probten. Dies zu erwähnen ist aber wichtig, um zu verstehen, warum mancher Sickter bis in die jüngste Zeit hinein mit dem “Herrenhaus” nicht viel im Sinn hatte. Das jetzige Gebäude wurde 1710 als Landsitz im Barockstil für den braunschweigisch-herzoglichen Hofbeamten Urban von Lüddecke erbaut. Eine Besonderheit dieses zweigeschossigen Fachwerkbaus ist sein Rittersaal nach dem Vorbild des Salzdahlumer Schlosses. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel kam es an die von Veltheim. Zuletzt wurde es als Vorwerk genutzt, bis es 1957 zum Teil aufgelöst und verkauft wurde. 1982 gründete sich ein Förderverein, der den Erhalt des schön proportionierten barocken Baus mit dem Rittersaal betreibt.  Mit seinen charakteristischen Arkadenöffnungen zeigt er eine engen Verbindung von anspruchsvoller Sickte: HerrenhausGutsarchitektur mit traditionellen bäuerlichen Bauweisen und neueren Europäischen Stiformen. Heute ist es Sitz der Samtgemeindeverwaltung und festlicher Rahmen kultureller Veranstaltungen.
          Auch Obersickte hat sich sich stetig als Bauerndorf entwickelt, mit 210 Einwohnern im Jahre. 1751. Die Kirche St. Georg besitzt einen gotischen Kirchturm von rechteckiger Grundform mit einem Satteldach; daran schließt sich ein neueres Kirchenschiff. Verlässt man Obersickte in Richtung Schöppenstedt, so sollte man keinesfalls versäumen, den Hof auf der rechten Straßenseite anzusehen: die im offenen Viereck um die Gebäude laufende Galerie ist in der Bauweise hiesiger Bauernhöfe eine häufig fotografierte Besonderheit. Im Garten der Anlage befindet sich der Platz der sehr alten Gerichtslinde (der “Kalandslinde”). 1944 wurden sämtliche Gebäude des Hofes Nr. ass. 8 in Obersickte, jetzt Schöninger Str. 2, unter Denkmalschutz gestellt. Dazu gehören ein Wohnhaus des 19. Jahrhunderts, eine Scheune und zwei Stallgebäude mit fortlaufender Holzgalerie im Innenhof.

    Der vergessene Tumulus  Dieser Bauernhof ist im thüringisch-niedersächsischem Stil erbaut worden. Er wird auch als fränkischer Vierseithof bezeichnet und wird bereits 1566 im Erbregister erwähnt. In einem Bericht des Herzoglichen Kreisamtes Riddagshausen vom 2. August 1831 an das "Hochlöbliche Landes Steuer-Collegium hieselbst" wird mitgeteilt: “Am 1. Aug. 1831, morgens gegen 2.00 Uhr ist zu Ober-Sickte das Wohnhaus und die Scheune des Kothsaßen und Tischlermeisters Conrad Rabke...total eingeäschert.....  Sein Nachfolger, Heinrich Heronimus Peggau, hat dann am 13. Juli 1832 die Hofstätte mit der dazugehörenden Hofländerei gekauft. Als er 1837 das alte, vom Brand verschonte Stallgebäude abbrechen lassen wollte, kam die Planung für eine Chaussee nach Cremlingen auf. Diese veranlasste ihn, zu warten.  Die Dorfstraße verlief seinerzeit quer über den jetzigen Hof von Südwest nach Nordost und mündete auf den Lindenplatz (Kalandlinde-Tumulus). Mit der Planung einer Verbindung nach Cremlingen wurde auch der Verlauf der alten Dorfstraße im sogenannten Ostendorf verändert, was zu einer völligen Neuanlage führte und 1850 den Bau der beiden Stallgebäude samt Scheune ermöglichte. Die großzügige Bauweise konnte Peggau vornehmen, da er im gleichen Jahr einen Tausch der Hofstellen mit dem Koths. Barteis Nr. ass. 12, Obersickte durchführte.

Mit dem Bau der neuen Chaussee vergrößerte sich der Peggau'sche Garten, und der Lindenplatz wurde mit einbezogen. Im Recess von Obersickte wird festgelegt: Der Inhaber des Hofes Nr. 8 ist verpflichtet, den auf dem im Plan Nr. 11 befindlichen alten Lindenplatze stehenden alten Lindenbaum stehen zu lassen, und es darf derselbe solchen nur mit Genehmigung der Ortsbehörde, bzw. der Herzogl. Kreisdirektion in Braunschweig entfernen. Über diese Linde heißt es in der amtlichen Kreisbeschreibung des Landkreises Braunschweig: 

    In Obersickte bestand ein 1386 dem Cyriakusstift in Braunschweig zustehendes Exekutionsgericht, dessen Gerichtsstätte bei der sogenannten Kalandslinde im südöstlichen Teil des Dorfes gewesen sein soll. Die Freiengerichtsstätte in Sickte ist mit Sicherheit vor der Gründung des Herzogtums Braunschweig, also vor 1235, vorhanden gewesen. Am 21. Juni 1217 hielt Graf Konrad von Wernigerode bei Gicchenthe (Sickte) ein Grafengericht. Hier übertrug Kaiser Otto IV. den Edlen Hermann und Otto von Harbke das Schloß Harbke mit allem Zubehör, zu Lehn. Da es sich hier um freies Gut handelte und Harbke zur Grafschaft Wemigerode gehörte, konnte rechtlich die Auffassung nur vor dem Freiengericht zu Sickte erfolgen. Die Belehnung war mit der Verpflichtung zur Reichshilfe dem Kaiser gegenüber verbunden, an dessen Heerzügen teilzunehmen und dafür auf Abruf Ritter und Bedienstete bereitzustellen. Bei Nichteinhaltung waren 300 Mark Silber zu zahlen. Als Garanten für die Sicherstellung dieser Summe wurden 20 Personen namentlich aufgeführt”.

Diese alte unter Denkmalschutz stehende morsche Linde wurde im Herbst 1941 vom Sturm umgeworfen. Eine neue Linde pflanzte man im Jahre 1964 an gleicher Stelle. 1963 wurde durch Kurt Peggaus Tochter, Imgard Reinke, der Umbau der Strallungen in Wohngebäude vorgenommen. Und sonst noch:

  • Das Wappen erzählt ein Kapitel Justizgeschichte. Das geneigte Lindenblatt berichtet von der morschen Kalandslinde, unter der Jahrhunderte lang recht gesprochen worden war, und daran erinnert auch das Richtschwert.
  • Die Gemeinde Sickte, besteht heute aus den Ortsteilen Apelnstedt, Hötzum Sickte und Volzum. Apelnstedt wird bereits 1042 als Abolberstettin, Hötzum 1179 als Hikelem erwähnt, inferus Tzicthe ist das 1315 genannte Niedersickte und superiusa Tzicthe der Ortsteil Obersickte, die 1999 wiedervereinigt wurden.
  • Die Wabemühlen. Durch Sickte fließt die Wabe, die früher die außerhalb des Dorfes gelegene Güntersche Erb- Öl- und Walkmühle, die zum adligen Gut Niedersickte gehörende Erbzinsmühle und die Bergmannsche Papiermühle antrieb; die älteste Mühle wird bereits 1042 erwähnt. Sie war Vorläufer des heutigen Mühlenbetriebs, der im Herbst 2005 seinen Betrieb einstellt.
  • Die Mittelalterliche Papiermühle in Obersickte als Vorläufer der Neuerkeröder Anstalten: Ein recht ungewöhnliches Gemeinwesen im Landkreis Wolfenbüttel ist - wie jeder weiß - der Sickter Ortsteil Neuerkerode. Einige Gebäude im heutigen Komplex zwischen Sickte und Erkerode (Wabehaus, Bergmannsche Papiermühle, Mädchenhaus auf dem Heerberge, Pfarrwitwenhaus Erkerode, das spätere “Knabenhaus”) hatten lange vor der Gründung der Anstalten ihre Bedeutung. Neuerkerode hat einen alten Baumbestand und einen Forellenbach, der das Gelände durchquert.  ANSICHT

SOMMERSCHENBURG

STENDAL


STÖCKHEIM , auf halbem Wege zwischen den ehemaligen herzoglichen Residenzstädten Braunschweig und Wolfenbüttel gelegen, wurde bereits 1007 erstmals als „Stokkem" urkundlich erwähnt. Der Name findet sich in verschiedenen Quellen in unterschiedlichen Abwandlungen: Neben Stokkem sind auch die Namen Stokhem, Stockem, Capelstockem, Kapenstockem,  Kapelstöckheim, Lutgen Stöcken, Calbe Stockem, Cabel Stocken und Kleinen Stöckheim   beurkundet, wobei sich der heutige Name mit einer geringen Abwandlung seit 250 Jahren gehalten hat.
           Die Geschichte Stöckheims geht aber noch weiter als ein Jahrtausend zurück: Bodenfunde deuten auf eine sehr frühe Besiedlung bis in die ältere Steinzeit hin. Ob der Ort dann aufgegeben und später neu gegründet wurde oder ob er aus mehreren kleineren Siedlungen entstanden ist, ist heute nicht endgültig geklärt. Seinen ländlichen Charakter hat sich Stöckheim auch nach der Gebietsreform 1974 bewahrt, in deren Verlauf es in die Stadt Braunschweig    eingemeindet wurde. Der Ort bildet auch heute noch so etwas wie ein „
Dorf in der Stadt". Insbesondere im alten Ortskern ist die Geschichte noch heute erlebbar: Hier findet man drei große Dreiseithöfe und eine Reihe gut erhaltener Kotsassenhöfe. Auf einer Anhöhe über der Oker liegt die alte Dorf kirche mit ihrem spätromanischen Turm. Weitere Besonderheiten im Dorf sind , der Schriftsassenhof mit seinem Herrenhaus im Barockstil, dem Rokokopavillon, die Jugendstil-Villa (Alter Platz 5) und das barocke Große Weghaus.

    Das Große Weghaus wurdet als Gasthaus und Zollstation errichtet, wie aus seiner in die Straße eingerückte Lage deutlich wird. In dem Hause wohnte auch der Wegewärter, der den Herrschaftlichen Weg in Ordnung halten sollte. Erbaut wurde es vom Kammersekretär Johann Urban Müller zwischen 1691 und 1693 erbauen lassen. Über die Baumeister dieses barocken Gasthauses ist nichts bekannt, vermutlich handelt es sich um die Landbaumeister Johann Balthasar Lauterbach und Hermann Korb. Vom früheren barocken Innenschmuck ist heute nichts mehr erhalten. Auch die Pferdestallungen auf der Westseite und der große barocke Lustgarten auf der Ostseite sind verschwunden. An der Nordseite erinnert eine eiserne Tafel an zwei berühmte Gäste: "Hier weilten gern im Kreise ihrer Freunde G.E. Lessing 1770-1781, Wilhelm Raabe 1893-1910".

Von historischer Bedeutung für Stöckheim sind an der südlichen Gemarkungsgrenze zu Wolfenbüttel das Sternhaus, das Hohe Gericht und der Schwedendamm. Nach einem Artikel in der Braunschweiger zeitung vom 29.11.2006,  bm   Karte
 

STOLBERG (Harz)

STRÖBECK

St. Peter & PaulSÜPPLINGENBURG hat sich im Schutze einer gewaltigen Schunterbefestigung entwickelt. Die mächtige Wasserburg, Stammsitz Lothars [Lothar II - Lothar von Süpplingenburg, als König auch Lothar III. (1125-1137) und Kaiser (1133-1137) im Heiligen Römischen Reich], musste, lange nach einem Brand, 1875 abgerissen werden. Die St. Johannis-Kirche erinnert allerdings noch noch an diese glanzvolle Epoche.
             Die Ursprünge der Komturei gehen zurück in das Jahr 1130, als Lothar an seinem Stammsitz den Grundstein zu der Stiftskirche legte, die 1140 vollendet wurde. Der Kollegiatstift und die Burg kamen um 1173, unter Heinrich dem Löwen, in den Besitz  des Templerordens. Die Komturei Süpplingenburg war lange Zeit Stammsitz des letzten Präzeptors der Deutschen Lande, Friedrich von Alvensleben. Nach der Auflösung des Templerordens wurden die Konventsgebäude im Jahre 1357 an den Orden der Johanniter übergeben, iIn deren Besitz sie bis zum Jahre 1820 Komturei blieb. Der bauliche Zustand der Kirche soll so schlecht gewesen sein, dass sogar ein Abriss erwogen wurde. Seit 1838 wurde die Kirche als Pfarrkirche genutzt. Von 1838 bis 1843 erfolgte eine umfangreiche Renovierung.
             Einen Eindruck von der einstigen Pracht vermittelt die zur gleichen Zeit in Königslutter errichtete Stiftskirche St. Peter und Paul, die zugleich die Grablege Lothars von Süpplingenburg ist. Auffallend ist die monumentale Auswölbung des Ostteils der Kirche. in Form eines Baldachingewölbes, das durch ein System von Säulengliedern gestützt wird. Die Säulen im Inneren der Kirche sind mit prachtvollen Kapitellen verziert.

 

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